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Versteckte Botschaften, Geheimbünde, vor Historie strotzender Baudenkmäler und Kunstgegenstände, innerkirchliche Konflikte, Verschwörungen – alte Geschichten in einem anderen Licht – alleine die plumpe Aufzählung weckt mehr Interesse und Regungen als das, was letztendlich als filmisches Produkt daraus entstanden ist. Der Da Vinci Code! Große Namen, Fakten und mehr oder weniger Fantasie. Im Buchformat hat Dan Brown gezeigt, wie man Unterhaltung mit einem historischen Kontext derart interessant vermischen kann, dass sich förmlich alle vom Fieber anstecken lassen und nahezu 50 Millionen Exemplare verkauft werden konnten. „Sakrileg“, guter Stoff für einen Thriller! Leider hat Regisseur Ron Howard anscheinend vergessen, welches Medium er bedienen muss.

Was hier fabriziert wurde, ist eine emotionslose, einfallslose Verunstaltung einer an sich interessanten Grundthematik. Der „Da Vinci Code“ ist eine merkwürdige filmische Huldigung des Romans, frei von Erzählfluss. Wo ist die Dramaturgie? Holy shit häppchenweise, lieblos hingekotzt. Kenner der Vorlage müssen im Geiste den Erzähler spielen um die Zusammenhänge zu komplementieren, die anderen, ohne Vorkenntnisse, ersticken in Langeweile. Ein Film wie ein Diavortrag ohne Kommentator. Howard bietet nicht einmal ansatzweise einen Reiz, um die Thematik interessant erscheinen zu lassen. Verwirrend viele Personen, ohne angemessene Charakterzeichnung. 1:1 steril visualisierte Buchszenen und ein paar geschichtliche Rückblenden in TV-Krisel-Optik, damit man auch ja eine Assoziation zur primitiven Nachstellung historischer Szenen aus billig produzierten Wissenschaftssendungen herstellt.

Dazwischen Tom Hanks und Audrey Tautou, emotionslos wie nie zuvor. Die Chemie der beiden Protagonisten ist so nicht existent wie der dramatische Funke, der überspringen sollte, wenn man einen Thriller, gespickt mit mysteriösen „Fakten“ produziert. Die halbe Welt verfolgt die Protagonisten und die beiden schieben eine ruhige Kugel ohne sich dabei je zu berühren. Ja, eine Berührung, auf irgendeine Art und Weise, sucht man als Betrachter vergebens! Es gäbe genug Möglichkeiten, stattdessen bietet man eine „mysteriöse“ Geschichte, die unter diesen Umständen so schmackhaft serviert wird, wie eine Portion vor Fett triefender Pommes. Ron Howard hält sich so peinlich genau an den Roman und vergisst dabei, dass er nicht nur bebildern soll, sondern auch eine Erzählfunktion erfüllen muss. Die Inszenierung krankt an allen Ecken und Kanten. Die im Buch so spannend umschriebenen Rätsel, die in all ihrer Schwierigkeit mitreißen, gleichen in der filmischen Variante einer unfreiwillig komischen Farce. Langdon ist befremdlich, nicht mehr jene sympathische Figur, mit der man im Roman bei der Entschlüsselung und Flucht mitfiebern konnte. Sophie Neveu bleibt eine Randerscheinung und versumpft im ohnehin nicht allzu großen Schatten des Harvard-Professors.

Daraus entsteht irgendetwas, was man nicht ernst nehmen kann. Deplatzierte Komik und der Situation nicht angemessene aufgesetzt wirkende oder emotionslose Gesichtsausdrücke zerstören den letzten Ansatz von Seriosität. Niemand vermittelt Ernsthaftigkeit und egal, ob die Thesen und Theorien von Brown mehr oder weniger glaubwürdig sind, das Buch verkauft sie als mysteriöse Wahrheit im Dunstkreis eines Thrillers. Bei Howards lieblos inszenierten und oberflächlich wirkenden Filmprodukt kann davon nicht die Rede sein. Einzig Ian Mc Kellen, als Kunsthistorikers Sir Leigh Teabing, lässt bei der breit angelegten Erklärung seiner Da Vinci-Grals-Theorie kurz aufblitzen, wie man die Geschichten auch im Filmformat gut verkaufen kann. Filmische Kreativität, mal abgesehen von unwesentlichen Abänderungen, bietet der Regisseur ansonsten nicht, das Endprodukt ist eine an der Oberfläche kratzende, stoisch sprunghafte Dokumentation der Romanvorlage.

Wo bleibt eigentlich der Howard typische, polarisierende Pathos? In diesem Fall wäre keiner böse, denn abgesehen von Hans Zimmers, der hier mit einem sehr pompösen Score den letzten Weckruf startet, versucht niemand das Müdigkeitsgefühl zu verhindern. Wer das Buch nicht kennt, darf ernüchternd feststellen, dass hier viel Lärm um nichts gemacht wurde. Auch die historischen Baudenkmäler und Kunstgegenstände vermitteln keine Atmosphäre. Es steht alles im Schatten der Inszenierung und das man hier sich eher im spannungsarmen als im dramaturgischen Gelände bewegt, merkt man spätestens, wenn Verfolgungsjagden quer durch Paris den gleichen Thrill wie ein Spaziergang im Park erzeugen.

Auf inhaltliche Wiedergabe und Details habe ich übrigens bewusst verzichtet, denn mal abgesehen von der medialen Allgegenwärtigkeit, ist das auch das einzige, was Regisseur Howard gelingt – die nüchterne, filmische Dokumentation eines literarischen Bestsellers. Wer auf den „Da Vinci Code“ nicht verzichten kann, wird in aller Breite damit auf zähe Art und Weise konfrontiert. Insofern erspare ich mir gerne eine weitere, plump geschriebene Inhaltsangabe. Das Vorhaben, damit Interesse zu wecken, funktioniert lediglich im Roman oder Hörbuchformat. So traurig es für jemanden, der sich auf die filmische Umsetzung gefreut hat, auch sein mag, aber hierauf beschränkt sich meine Empfehlung. Den filmischen Ärger darf man getrost umgehen! (3,5/10)

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