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Inspiriert von Oliver Stones Antikriegsfilm "Platoon" und dessen Erfolg ein Jahr zuvor, entschloss man sich 1987 die Produktion einer TV-Serie über den Vietnamkrieg einzuleiten. Nur zurecht mag der kritische Zuschauer mit Vorbehalten an die Sache rangehen, denn einen Krieg in ein langläufiges TV-Format zu pressen, ist nicht gerade die einfachste Aufgabe. Doch der Versuch scheint mit "NAM - Dienst in Vietnam" dennoch geglückt...
Drei Staffeln lang (57 Folgen) verfolgt die in den USA erfolgreiche Serie die Zeit von amerikanischen Soldaten in Vietnam. Darunter der bissige, sarkastische und erfahrene Sgt. Zeke Anderson (gespielt von Terence Knox), Lt. Myran Goldman und die Privates Danny Purcell, Alberto Ruiz, Marcus Taylor, Scott Baker, Roger Horn und etliche andere. Im Laufe der Zeit treffen wir auf immer wieder neue Charaktere, die sich in der Serie etablieren konnten - nachdem einige andere ausstiegen (im Krieg gibts leider auch Tote). So kann zum Beispiel auch die bekannte Kim Delaney in zwei Staffeln mit ihrem Charakter Alex Devlin beweisen, was sie drauf hat. Dank einer vielfältigen Personenkonstellation (vom Rassisten zum Pazifisten, von Weißen bis zu Farbigen) sorgt man für immer interessante zwischenmenschliche Beziehungen. "NAM" beschäftigt sich auch mit dem Rassismus, der den ganzen Vietnamkrieg hindurch ein Problem war. Zusätzlich besitzt jeder Charakter herausstechende Eigenschaften und nach einiger Zeit kann man Sympathie für die meistens moralisch-guten Figuren aufbauen. Und das ist bei einer Serie bekanntlich durchaus wichtig.
Staffel 1 (die 20 Folgen umfasst), beschäftigt sich mit der Tour of Duty der Soldaten, also mit der Pflichtzeit, die die Jungs in Vietnam absitzen müssen. Dabei bekommt es der Zuschauer mit einigen harten und gut inszenierten Shootouts zwischen US Army und dem Vietcong zu tun. Zwar wegen des TV-Aspekts unblutig, aber dennoch ziemlich realistisch in Szene gesetzt. Über die Actionsequenzen kann man sich nicht beschweren. Weiterhin begleiten wir unsere Marines auf Erkundungstrips oder Patroullien, bei denen immer wieder neue Überraschungen aufwarten. In jeder Folge ist eine andere Aufgabe zu erfüllen - einmal eine Brücke sprengen, ein Dorf vom Vietcong befreien, Zivilisten durch ein Feindgebiet bringen, die eigene Basis vom nordvietnamesischen Sturm beschützen oder einen Hügel erobern. In den beiden folgenden Staffeln wird der Actionanteil etwas geringer (dennoch brauchbar) und man wagt sich an sozialkritische Themen wie dem Rassenproblem, Korruption innerhalb der US-Army oder einfach menschliche Konflikte. "NAM" zeigt auch die andere Seite, also die VCs und Nordvietnamesen und ihre Probleme. Die Serie deckt somit den kompletten Bereich des sinnlosen Kriegs ab. In einigen schockierenden Bildern zeigt die Serie eindrucksvoll die Sinnlosigkeit und Härte des Vietnamkonflikts. Man hält sich, dank guter Drehbuchautoren, beeindruckend nahe an die Realität und so können etliche Zuschauer noch das eine oder andere über Vietnam lernen. Zudem gibt es vor jeder Folge einen interessanten Fakt als Texttafel.
Sicher verfolgt die Serie ab und zu einige Klischees, verschönigt etwas oder ist nicht immer 100%ig real, aber sie spiegelt dennoch ziemlich überzeugend das Treiben in Nam wieder. Von Patriotismus keine Spur - ganz im Gegenteil: der wird entweder durch den Kakao gezogen oder eindrucksvoll im Keim erstickt und vernichtet.
Die Schauspieler sind alle durchaus brauchbar, es gibt keinen, der jetzt besonders schlecht aggiert. Besonders Anderson-Darsteller Terence Knox (bekannt aus einigen anderen Filmen) kann überzeugen. Außerdem sind immer wieder Gastauftritte von Stars wie Tia Carrere zu bewundern. Die Ausstattung ist einwandfrei - realistische Waffenmodelle, Basiscamps, Hubschrauber - eben das komplette Arsenal, welches die Glaubhaftigkeit der Serie unterstützt. Ebenso gut gewählt sind die Locations, bei denen man manchmal denkt, selbst im Dschungel zu sitzen.
Dank guter Darsteller, prima Ausstattung, immer wieder abwechslungsreichen Geschichten und dem kritischen Ansatz verbleibt "NAM - Dienst in Vietnam" als der Klassiker der TV-Kriegsserien. Das 57 Folgen starke TV-Epos ist menschlich, sozial, antipatriotisch, aufklärend und kritisch, aber dennoch unterhaltend, actiongeladen und mit gut konstruierten Charakteren. Das technische Niveau der Serie mag zwar nicht mehr dem Standard eines "Band Of Brothers" entsprechen, ist aber dennoch überzeugend und mehr als ausreichend, um als real rüberzukommen. Und inhaltlich ist "NAM" sowieso brauchbarer als der neuste James Ryan-Miniserien Abklatsch.
Als absoluter Fan, der die ganze Serie auf VHS besitzt und dem DVD-Release entgegenfiebert, kann ich nichts weiter tun, als die Höchstwertung auszusprechen ... denn diese Serie läßt für Fans von Vietnamaction keine Wünsche offen und sticht sogar den einen oder anderen Kinofilm aus. Unbedingt mal reinschauen!

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