"The Outtake" - die exklusive Kolumne

The Outtake

Zum Geleit: Bin ich zu jung fĂŒr diesen Scheiß?



“I’m to old for this shit!” (Lethal Weapon)

Silvan Prefetzky aka MoonshadeSoso, hier fĂ€ngt also alles an…

Eine Kolumne, speziell fĂŒr das Medium Film und die anhĂ€ngten Satellitenmedien.

Seiten zu fĂŒllen, Herzblut zu Papier zu bringen, SĂ€ure zu verspritzen.

Unendliche Weiten, ungezĂ€hlte Möglichkeiten, schließlich der große weiße Wal: die Welt des Films. Also, nennt mich Ismael.

Oder nein, nennt mich Carrie Bradshaw, nach der ewiglich versingle-ten Thirtysomething-Kolumnistin der Erfolgsserie Sex in the City, die ihre amurösen Erlebnisse, ihren Frust und sÀmtliche KuriositÀten aus ihren VerhÀltnissen und Bettgeschichten im Big Apple in Form eines wöchentlichen Berichts in einer New Yorker Tageszeitung veröffentlichte und damit Leidensgenossinnen noch und nöcher faszinierte.

Nie kommt sie an ihr Ziel, nie macht sie den lethalen, den finalen Stich, der da bedeutet: GlĂŒck, Zufriedenheit und sexuelle ErfĂŒllung. Die letzte Folge bot eine Art Happy-End, aber man weiß ja nie…

Etwas Ähnliches erwartet der Zuschauer sicherlich auch vom sonstigen TV-Programm, vom aktuellen Kinofilm, von der momentanen DVD-Top20. Und die Welt des Films hat wirklich etwas von Ahab und seinem unerbittlichen MeeressĂ€uger: man kann ihn hassen, man kann ihn lieben, man kann ihm ewiglich folgen und wird doch mit ihm untergehen. Film ist nicht zu fassen, es gibt keine Momentaufnahmen fĂŒr die Ewigkeit, sondern nur Wellenberge (etwa: der Tag, an dem George Lucas den allerersten Star Wars-Film in die Kinos brachte) und WellentĂ€ler (der Augenblick gegen Ende 2003, als wir uns alle fragten, ob Weihnachten jemals wieder dasselbe sein wĂŒrde, wenn es keine Herr-der-Ringe-Verfilmung mehr gibt, die dann starten kann).

Man sitzt und schaut, man verfolgt und erarbeitet sich Filme, man kĂ€mpft sich durch und erleidet – und trotzdem bleibt alles im Fluß. Man verfĂ€llt ihm, aber der Film war noch nie die Geliebte/der Geliebte, der ErfĂŒllung versprach.

Filme sehen erfordert VerÀnderungen, die Bereitschaft Neues zu entdecken, nicht das Verharren in einer kleinen, wohlgeformten Ecke, Hobbithöhle oder DVD-Sammlung.

Es gilt: dahinten steht ein TV-GerĂ€t oder eine Leinwand – niemand in diesem Raum ist sicher! FĂŒhlen wir uns jetzt noch wohl?

So mache ich mich jetzt also an meine knapp 25 Jahre Filmerinnerungen und prompt schwappt die Frage nach oben: reicht das denn? Noch nicht mal 34 Jahre alt und schon aus dem NÀhkÀstchen plaudern? Bin ich weise genug, bin ich wenigstens spontan ergraut?

Bin ich zu jung fĂŒr diesen Scheiß?

Definitiv!

Ein Blick zurĂŒck und schon stehe ich ohne Hosen da. Irgendwo wuseln immer noch ein paar Hitchcocks rum, die ich noch nicht kenne. Hab noch keinen Fellini ganz gesehen und bin nicht sicher, ob ich was verpaßt habe. Will mich stĂ€ndig an ein paar Bergmans versuchen und fĂŒhle mich 20 Jahre zu jung dafĂŒr. Und woher bekomme ich endlich eine ungekĂŒrzte Fassung von Dario Argento’s Opera, ohne das Teil gleich kaufen zu mĂŒssen?

Stattdessen spĂŒlt mir meine Mediathek (Videos gibt’s da ja eh nicht mehr…) fortwĂ€hrend den Bodensatz des Direct-to-DVD-Schatzes durch die BewußtseinskloschĂŒssel nach oben und ĂŒber die Schwelle, denn irgendein B-Promi wird sich schon finden, der dafĂŒr seinen Namen hergibt, auf daß sich der Scheiß verkaufe wie geschnitten Brot. Man fĂ€llt doch immer mal wieder darauf rein – Ă€lter als Jesus, aber immer noch nicht ĂŒber Fast Food erhaben.

Schlimmer noch, in Zukunft werde ich mir das zwangsweise reinziehen mĂŒssen – nicht der Kunstfilm ist ein Spiegel der Gesellschaft, der GĂ€rschlamm bringt es viel direkter an den Tag und auf den Tisch. Und gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

So gesehen hatte es Carrie B. besser, die entdeckte zwar auch am Morgen, daß der Klodeckel obenstand (und der Lover des SpĂŒlens vielleicht nicht mĂ€chtig war), aber immerhin hatte sie vorher guten Sex! Mist, die Frau hat doch das bessere Ende.

DarĂŒber hinaus bedeutet es, daß ich ab sofort zur allgemeinen AngriffsflĂ€che erklĂ€rt bin. Macht auch nicht wirklich was, schließlich ist man ja nebenbei noch Kritiker. Und das heißt, streng genommen, Onanie. Was ein richtiger Kritiker mit Ego und allem ist, der benutzt seinen machtvollen Griffel als Masturbationsobjekt – was leicht ist, solange die FAZ bezahlt. Womit mir dieses BetĂ€tigungsfeld etwas anrĂŒchig vorkommt, schließlich steht der Review-ZĂ€hler bei mir schon auf ĂŒber 1200 – ich befĂŒrchte extremen RĂŒckenmarksschwund und vorzeitige Blindheit!

Heißt also: besser man nimmt etwas Abstand vom Objekt der Begierde. Die Sache vom Abgrund und wie lange man da reinschauen sollte. Ab in die letzte Reihe also. Gucken wir von hier aus lieber nicht dem Film aufs Maul, sondern auch dem Publikum. Oder der ganzen Industrie. Sitzen wir dem Medium ein wenig im Nacken, philosophieren wir uns einen Wolf und erwischen den Filmfan im Menschen (oder umgekehrt) auf frischer Tat.

Werfen wir fortan einen Blick hinter die Kulisse RealitĂ€t, erfreuen uns an ein wenig Nostalgie und bereiten uns darauf vor, daß vor uns gerade ein Alptraum von David Lynch Platz genommen hat und der trĂ€gt einen gewaltigen Hut.

Ihr wollt nicht? Dann mach ich es allein, einer muß es ja machen.

Nur, dann braucht ihr auf Antworten erst gar nicht zu hoffen – aber ich suche gern ein paar Fragen fĂŒr euch raus, von denen ihr noch gar nicht wußtet, daß ihr sie nie stellen wolltet.

Undendliche Fragen, unendliche Weiten:

Etwa: was ist so wichtig daran, zu wissen, was in dem Koffer in Pulp Fiction war und wĂŒrde man glĂŒcklicher sterben, wenn man es wĂŒĂŸte?

Wie kann ich als bekennender Giallo-Fan erfolgreich begrĂŒnden, daß ich kein verdrĂ€ngter FrauenschĂ€nder bin?

Wer kam eigentlich als erster auf die Idee, verhinderten Videoclip-Schnipslern Millonenbudgets in die HĂ€nde zu geben, um Comic-Verfilmungen zu ruinieren?

Wenn 1000 Affen 1000 Jahre lang auf 1000 Schreibmaschinen schreiben, muß dann zwangslĂ€ufig so etwas wie das Drehbuch von Van Helsing dabei herauskommen?

War die Schlußszene von Casablanca wirklich homoerotisch?

War KĂ€pt‘n Iglo PĂ€derast?

Und wer ist eigentlich Paul?

Mit den aufgeworfenen Fragen lasse ich die Leser dann allein, ein Akt der WillkĂŒr, auf daß mich Theorien und Morddrohungen in großer Zahl erreichen werden. Die besten drucke ich ab, die schlimmsten auch…

…genauso hab ich mir das alles gedacht…

…natĂŒrlich liege ich wie immer voll daneben…

…egal, warten wir ab, wie es sich entwickelt. Immerhin bin ich nicht zu jung fĂŒr den Scheiß, denn was nĂŒtzt es, noch weiter zu reifen, bis man das Publikum gar nicht mehr verstehen kann oder noch schlimmer, einfach nicht mehr wahrnimmt.

Von jetzt an ist die BĂŒchse der Pandora offen, hoffentlich haben einige ihre Freude daran.


Silvan Prefetzky



Kommentare und Diskussionen


1 Kommentar zu „Zum Geleit: Bin ich zu jung fĂŒr diesen Scheiß?“

  1. ratz sagt:

    Dieser Testkommentar wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gĂŒltig.


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