"The Outtake" - die exklusive Kolumne

The Outtake

Ziel(gruppen)wasser marsch!



“Wenn ich eine Botschaft h├Ątte, w├╝rde ich sie mit der Post schicken!” (Woody Allen)

Silvan Prefetzky aka MoonshadeGanz folgenlos ist erst mal Dieses: momentan rolle ich mich jedes Mal weg, wenn w├Ąhrend der TV-Werbung Michael Ballack in unserem liebsten Fast Food-Restaurant kopfsch├╝ttelnd “DVD??????”-sagend aus dem Bild verschwindet. H├Ątte dem Mann dieses Comedy-Timing gar nicht zugetraut.
Das mu├čte mal gesagt werden, auch wenn es sonst mit dieser Kolumne gar nichts zu tun hat – ich wollte den Mann einfach mal loben, der hat bei mir sonst nicht mehr viel zu holen, seit er bei den Bayern gelandet ist.

Ansonsten hat der Mensch ja nicht mehr viel zu lachen.

Gerade erfolgreich das erste OFDB-Meeting samt der kompletten Administratorriege ohne weitl├Ąufige Verletzungen hinter mich gebracht und auch endlich ├╝ber den ersten ernsthaften Kritiker gestolpert. Bis dato haben mir nur anfeuernde Mails den Tag versch├Ânert (was um Gottes Willen keine Beschwerde sein soll), wo ich mich doch schon so ├╝ber marodierende Horden gefreut habe, die mein Haus belagern oder mich in einer Telefonzelle meucheln wollen!

Ich mache also definitiv etwas falsch. Oder alles richtig?

Egal, Hauptsache Kritik!

Zum Gl├╝ck war das Gespr├Ąch konstruktiv genug, mich nicht in eine Gewissenskrise zu rei├čen, aber ein paar Denkanst├Â├če f├╝r den Hinterkopf gabs schon, zumindest nach l├Ąngerem In-Sich-Gehen daheim.

Grund der Kritik war im Wesentlichen der mangelnde Perfektionsansatz meinerseits, der mich dazu hat hinrei├čen lassen, meine bestehenden Wissensl├╝cken in Sachen Film gleich als Entschuldigung in der Startkolumne vorneweg zu stellen.

Damit stiehlt man sich nat├╝rlich aus der Verantwortung, k├Ânnte man schlie├čen. Wer bin ich denn dann noch, da├č ich es wage, hier einen aus der Welt des Film(fan)s zu erz├Ąhlen, wenn ich nicht minimum mit Roger Ebert mithalten k├Ânnte. Das kleine Arschloch, allerh├Âchstens!

Grunds├Ątzlich bin ich Reviews und Kritiken immer so angegangen, da├č s├Ąmtliche Bev├Âlkerungsschichten zumindest mit einem Duden in Griffweite den Inhalt ohne gr├Â├čere Zeitverz├Âgerung verstehen k├Ânnten. Das bedeutet nat├╝rlich: weniger gro├če Kunst und literarischer Anspruch, daf├╝r aber mehr Massenkompatibilit├Ąt. Kunst ist zwar sch├Ân, macht aber viel Arbeit, wie es so sch├Ân hei├čt und faktisch verdiene ich ja hiermit nicht mein Geld, nur einen Hauch von Internetreputation, wenn ich ganz viel Gl├╝ck habe (und selbstverst├Ąndlich die 20 kostenlosen DVDs pro Woche, die ich der OFDB-Leitung f├╝r diese Texte w├Âchentlich abgepre├čt habe, h├Ąh├Ą…).

Was bedeutet das aber faktisch? Arbeitet mein Unterbewu├čtsein so tatkr├Ąftig mit, da├č ich schon fast automatisch das Bildzeitungsleser-Niveau streife, damit auch Hans und Karl ihre Freude mit den Texten haben k├Ânnen?

Untersch├Ątze ich jetzt wiederum die Leserschaft, ja, setze ich das Niveau ggf. in Gedanken so weit runter, da├č sich alle als f├╝r doof erkl├Ąrt f├╝hlen k├Ânnten? Publikumsbeleidigung auf ganz subtile Art?

Okay, schickt mir alle eure Mittelfinger (Fotos reichen!)!

Was habe ich denn nun eigentlich f├╝r eine Zielgruppe?

Breite Masse? Randgruppen? Freaks und Fans?

Alles sehr unsicher in einer Zeit, wo man sich den Volksha├č schon durch eine simple Steuererh├Âhung zuziehen kann. Oder in London in simpler Eile in U-Bahnen von hektischen Terrorfahndern erschossen wird.

Sollte ich vorsichtiger vorgehen?

Andererseits bekommt jeder das Publikum, das er verdient. Und das ist nur bedingt steuerbar, egal was man schreibt.

Also k├Ânnte ich die ganzen ├ťberlegungen und Bem├╝hungen aufgeben, weil es ja am Ende doch alles keinen Zweck hat und fr├Âhliche Anarchie walten lassen. Fri├č und/oder stirb, Leser.

Erwartungshaltungen? Mir doch egal!

Pointen? Maximal mal ein Kalauerchen!

Inhalt? Ihr fre├čt doch sonst auch jeden C-Film mit Begeisterung…

Insofern hatte mein Kritiker vielleicht doch recht?

Sollte ich mich lieber wie die allwissende M├╝llhalde geben und unverst├Ąndliches Zeug brabbeln und zwischendurch augenzwinkernd das coole Arschloch auf der ├ťberholspur raush├Ąngen lassen, da├č ihr eh alle nur von hinten zu sehen bekommt?

Warum nicht? Darauf stehen doch die Leute offenbar: l├Ąssig, locker, halbnackt bis zur Schamhaargrenze, so mu├č das heute sein, oder?

Ab sofort k├Ânnte ich hier den endlos schwafelnden Filmbesessenen geben. Ich suche mir irgendeinen obskuren Film, das Unbekannteste von Kurosawa oder Antonioni, noch nicht auf DVD erh├Ąltlich und ohne Sekund├Ąrliteratur nicht oder kaum nachpr├╝fbar, um mir einen filmhistorischen Kontext dar├╝ber basteln, da├č euch die Gehirnrinde blutet. Den einen Durchgeknallten, der den Film tats├Ąchlich gesehen hat und mir wegen meines dem Reich der Phantasie entsprungenen Monologes per e-mail die H├Âlle hei├č machen will, dem sperre ich einfach mal testweise das Profil. Bis er dann zum elektrischen Brotmesser greift…

Anderer Vorschlag: ich greife mir einen popul├Ąrwissenschaftlich wichtigen Film raus, den fast alle ganz doll lieb haben und dekonstruiere ihn mit v├Âllig wirren, aber filmisch wohlklingenden Argumenten in Grund und Boden, wobei ich nacheinander gro├čspurig nachweise, da├č die bisher abgegebenen Kritiken aus diesen oder jenen Gr├╝nden nur Zeugnisse absoluten Stumpfsinns sind und ihre Autoren intellektuell nat├╝rlich ihren Texten in nichts nachstehen.

Nat├╝rlich verbrennt man mich dann schnellstens auf irgendeiner obskuren, windigen Kanalinsel, aber w├Ąre es das nicht wert? Endlich popul├Ąr, provokativ, pr├Ą- und postkoitiv potent pis zum Abwinken? (Pi├čchen viel P, sorry!)

Und als Kontrast lasse ich mich eine Woche sp├Ąter f├╝nf Abs├Ątze dar├╝ber aus, welche der M├Âpse in “Showgirls” echt und welche unecht waren und warum mir diese oder jene Brustform besser oder schlechter gef├Ąllt. Bau dir dein eigenes Nippel-Gate!

Wenn dann die feministischen Attentate vor├╝ber ziehen, bringe ich als Ausgleich ein paar knallige Spekulationen dar├╝ber, welcher von Hollywoods aufstrebenden Jungstars wohl welche Penisform zur Schau tr├Ągt, spekulativ anhand ihrer Filmographie thematisch begr├╝ndet!

Wieder eine Woche sp├Ąter greife ich zur fein gespitzten Feder und kn├╝ppele irgendeinen Rezensenten hier im OFDB-Bereich, den ich selbstverfreilich schon immer zum Kotzen fand, mit geschwungensten Formulierungen nieder, zerhacke Schrift und Form, Ausdruck, allgemeinen Geschmack, vermutliche Herkunft und setze noch ein paar Andeutungen bez├╝glich abartiger sexueller Gewohnheiten hinzu. Das bringt Quoten, das bringt Aufsehen. Beliebt sein ist doch was f├╝r Weicheier!

Nein, lieber doch nicht.

Macht korrumpiert einfach zu schnell und ich m├Âchte meine Arroganz wenigstens hin und wieder noch ├╝berblicken k├Ânnen. Dieses “Gier ist gut” haben wir ja bereits verinnerlicht, das beweist jeder unserer Videothekenbesuche, das sollte reichen.

Ich bin eigentlich ganz dankbar, noch nicht auf jede Frage bez├╝glich Films eine Antwort zu haben, denn ich verrate mal ein ganz offenes Geheimnis: nur durch diese unfreiwillige Unschuld gegen├╝ber gewissen Bereichen, gewissen Genres, gewissen Werken bewahrt man sich das Wunder, sich noch f├╝r lange Zeit davon ├╝berraschen lassen zu k├Ânnen. Wenn’s recht ist, schreibe ich lieber wie mir mein Schnabel gewachsen ist und dann doch lieber nicht zielgruppenorientiert, sondern f├╝r alle oder keinen, je nachdem.

Es gibt keine endg├╝ltige Antwort auf alles, kein “42″ in diesem Bereich und deswegen gebe ich auch gar nicht erst vor.

Was immer ich hier schreiben werde, es wird sowieso zweischneidig sein.

Oder wie es Woody Allen in seinem Theaterst├╝ck “Gott” schrieb, als der arme Schauspieler die Botschaft f├╝r den K├Ânig liest, auf die entscheidenste aller Fragen: “Die Antwort ist nur ein Wort. Sie lautet: Ja!”

War das nun gut oder schlecht, wird er gefragt. “Ja” sei doch positiv, f├╝hrt er an.

Darauf kommt die Gegenfrage: “Was, wenn die Frage lautete: Hat die K├Ânigin den Tripper?”

Genau das ist der Punkt!

(Verdammungen, konstruktive Kritik und Lob bitte bis auf weiteres an: Everythingcounts@gmx.net)


Silvan Prefetzky



Kommentare und Diskussionen


Keine Kommentare zu „Ziel(gruppen)wasser marsch!“


Um Kommentare schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

» Registrieren/Einloggen im User-Center



Copyright © 1999-2017 OFDb.de - Die Online-Filmdatenbank
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

717 Besucher online



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich