"The Outtake" - die exklusive Kolumne

The Outtake

Single, männlich, filmsĂĽchtig sucht…



“Brodie! I’ve always taken you with a grain of salt. On your birthday, when you told me to do a striptease to the theme of “Mighty Mouse”, I said okay. […] But if you think I’m gonna suffer any of your shit with a smile now that we’re broken up, you’re in for some serious fucking disappointment.” (Mallrats)

Silvan Prefetzky aka MoonshadeOlala!
Ich sehe schon Verwandte und Bekannte mit roten Flaggen aufziehen, wenn sie den Titel lesen, denn hat der Autor nicht seit kurzer Zeit wieder…

…jajaja!

Isjaschongut!

Schlimm genug, dass ich den kalten und grauen Januar erstmal breitärschig meine Kolumne geschwänzt habe, allerdings geschah dies nicht aus thematisch hier angerissenen Themen, sondern aus Terminnöten rund um andere Aktivitäten aus dem Freizeitbereich, wo die schreiberischen Tätigkeiten auch noch auf einer Bühne umgesetzt werden mussten. Das kostet Zeit (und Haare!).

Also: vergesst Weihnachten. Vergesst Neujahr. Vergesst die guten Vorsätze.
Ursprünglich hatte ich ja mal mit dem Gedanken gespielt, Neujahrsvorsätze gänzlich unoriginell zum Thema einer Kolumne zu machen, aber als mir dann am 2.Januar auf einer U-Bahnrolltreppe eine in eine top-unmodische Charme-und-Anmut-Winterjacke gekleidete Mittsechzigerin entgegen geschwebt kam, in der Hand eine in einer tütenähnlichen Umhüllung versteckte Flasche, da wusste ich, dass ich für dieses Jahr schon wieder alles gesehen hatte. Denn das Behältnis war komplett transparent und die Flasche von der Marke Frucht-Tiger! Denn man Prost, vergesst die Vorsätze, die Realität ist immer noch genauso beknackt wie vorher und ich bleibe bei Alkohol in Maßen, reichlich Koffein, legal erwerbbaren Drogen und lecker Essen, wo immer ich es auftreiben kann.

Daß ich aber am Neujahrnachmittag tatsächlich jemanden neben mir im Bett vorgefunden habe (nein, das war keine ungeahnte Überraschung, so viel getrunken hatte ich nun auch wieder nicht…), nehme ich dann doch mal zum Anlaß für das aktuelle Thema.
Kernfrage: haben manische Filmfans denn nun eigentlich Probleme, das jeweils andere Geschlecht fĂĽr sich zu begeistern?
Oder andersherum: wer nimmt so jemanden denn eigentlich? Und wer nimmt ihn/sie ernst?

Ich sehe schon die Damenrunde (ich darf das jetzt mal vom männlichen Standpunkt aus schreiben, kommt eh häufiger vor und fällt mir auch leichter…) in einem Cafe um einen Bistrotisch herumsitzen und zwischen Cafe Latte und Moccachino erwähnt eine von ihnen in das lustige Gescherze rund um Männer, dass sie ja jetzt einen Neuen habe, der eigentlich ganz niedlich sei…

“Aber?”, fragt ihre beste Freundin, die sich mit einem durchtrainierten Machismo abplagt, der sich gerade leider neu verliebt hat und zwar in sich selbst.

“…er ist Filmfan!”

Riesenaufjaulen. Gelächter. Eine schlägt die Hände vors Gesicht. “Hatte ich auch schon!”, sagt sie unter bitteren Freudentränen, “Sag bloĂź nichts gegen seine Lieblingsfilme. Du bist auf ewig unten durch.”
“Und time deinen Sexbedarf schon mal nach dem Fernsehprogramm!”, schreit eine andere dazwischen, bevor sie sich daran machen, Pläne fĂĽr die Sabotage seiner drei DVD-Player zu machen, bzw. wo man die Fernbedienung am effektivsten verstecken könnte.

Sind wir denn wirklich so?

Ist der Filmfan an sich nun ĂĽberhaupt attraktiv?

Wie stellt sich die Restwelt so einen FilmverrĂĽckten ĂĽberhaupt vor?

Klingt kompliziert, denn ich konnte mir lange keinen Jungliberalen vorstellen, bis mir einer mal erklärt hat, die “Simpsons” wären ja auf keinen Fall satirisch gemeint. Seitdem weiĂź ich es, will es aber gar nicht mehr wissen.

Wie sind wir?

Herrscht das Klischee vor, dass da ein langmähniger und vorzugsweise unrasierter Typ unruhig zappelnd die Ankunft des Paketboten erwartet, sich dann geifernd und sabbernd an seiner DVD-Lieferung aus USA zu schaffen zu machen, um dann irre kichernd seine neueste RC-1 abzutasten, als sei es das neueste Modell aus dem Beate-Uhse-Shop?

Sollte Lebensgefährten aka Freunde/Freundinnen so etwas mitansehen, fühlen die sich sexuell natürlich etwas zurückgesetzt und in der Achtung sinkt das jeweilige Gegenüber natürlich auch um ein oder zwei Grämmchen (ev. Sogar Kilogrämmchen).

Oder zerpflücken wir mit Vorliebe einen schönen Romantikfilm im Kino zum Kuscheln und Schmusen, weil wir die Banalität des Gezeigten, inclusive zu erwartender Verstrickungen und Verirrungen und unausweichlichem Happy End nicht ertragen, um sie beim nächsten Mal in einen serbo-kroatischen oder tatschikischen Post-War-Film mitnehmen zu wollen, der sie garantiert für drei Monate (oder immer) abtörnt.

Ich schrieb schon einmal, dass auch Hobbyrezensenten so etwas wie manische Onanisten sein können, aber deswegen lassen wir uns doch nicht den restlichen Spaß verderben. So schlimm können wir doch nicht sein.
Schauen wir uns doch mal um.

Gut, DVD-Messen sind (allein wegen des Porno-Angebots, das macht irgendwie befangen) nicht gerade puristisch zu bewerten, wenn es um Fans geht, aber eigentlich kann man in jedem Baumarkt oder Fitneßclub Schlimmeres beobachten. Beim GF-Usertreffen hat man dann aber mal die Chance auf einen intimeren Einblick (schließlich muß man ja, zumindest gemäß Planung, auch gemeinsam in einem Raum schlafen und das überleben). Und siehe da: wir sind gar nicht mal so übel! (Interessierte Userinnen dürfen sich davon gern bei nächster Gelegenheit überzeugen und ggf. Gegenanzeigen formulieren.)

NatĂĽrlich diskutieren sich die Betreffenden einen Wolf, jeder hat seine ganz persönliche Ansicht und viele Anwesenden haben “sowieso von der Materie gar keine Ahnung”, aber wenn man die Filme gegen Automarken oder Bundesligaclubs (oder noch einfacher Pizzabeläge) austauscht, wäre es nicht viel anders, nur nicht so sachlich.

Ansonsten wären Filmfans perfekte Partner.

Können sich selbst beschäftigen. Sind bisweilen recht patent auf technischem Gebiet. Können viel Spaß haben und vermeiden Eigenbrödlerei. Trinken bei manchen Gelegenheiten viel, demontieren aber nicht gleich die Umgebung. Haben lange wie kurze Haare. Hören laute Musik, tendenziell besonders Rock, Hardrock, Metal oder Düsteres, sind aber keine eingeschworenen Nischenhörer. Machen viel Müll, räumen dann aber nach erfolgtem Rausch aber auch brav wieder auf. Haben eine Schnauze, für die man einen Waffenschein bräuchte, würden aber anwesende Filmfans (weiblich) wie griechische Göttinnen bewirten und umsorgen, würden diese sich in den Kral trauen.

Männer halt!

Und gesellig sind wir doch auch. Man kann mit uns weggehen (vorzugsweise ins Kino natürlich, aber auch anderswohin…), wir sind oft zuhause. Wir haben keinen Bastelraum, aber dafür eine DVD-Ecke (Wand, Zimmer, Keller, Dachboden, Anbau, Transporter, Banksafe, Geheimraum für eventuelle Durchsuchungen, sucht euch was aus…) und pflegen und hüten unsere Schätze. Und jeder, der einen Funken Interesse zeigt, mit dem teilen wir unsere Schätze gern und reichlich. Abneigung sollte eben nur dezent formuliert werden.

Mädels, fasst mal den Werkzeugkoffer eures Heimbaufreaks an oder entnehmt ungefragt ein paar Schraubenmuttern…ohoho…ich will’s nicht genau wissen, was dann passiert…

Und sind solche Vorteile nicht viel kuscheliger, als andere Varianten? Männer, die vier Tage in der Woche an Modellen herumschrauben? Die den puren Horror bekommen, wenn sie mal ein Konzert besuchen mĂĽssen? Die jeden Samstag ihren Wagen waschen mĂĽssen (vor dem Rasenmähen)? Die sonntags “FAZ” UND “Zeit” studieren, um dann vor, während und nach dem Essen das (politische, kulturelle, soziale) Elend diskutieren wollen. Die viermal die Woche abends beim “Sport” sind und sonst keinen FuĂź vor die TĂĽr kriegen?

Natürlich fällt es einfacher, wenn man ein paar der Vorlieben teilt (sozial engagierte und abstinente Pulloverstricker/innen mit Vorliebe für klassische Musik gehen meistens gar nicht mit Filmfans), gern mal ein Glas leert, seine Klappe im rechten Moment aufmacht (oder zu) und seinen eigenen Kopf und Kalender besitzt.
NatĂĽrlich gibt’s auch bei uns Mumien, Monstren, Mutationen: Sofasymbiosen, Kampftrinker oder Leuchtaugenzombies im Falle extremer Gewalt auf Schirm und Leinwand.

Aber das sind Ausnahmen: der Rest ist guter Hoffnung oder in Behandlung.

Ich rufe bei der Gelegenheit also einfach mal zur Aktion “Ein Herz fĂĽr Filmfans” auf und fordere Männ- und Weiblein heraus, doch mal ihre Erfahrungen, GlĂĽcksfälle und Niederschläge mit “movie madness”-Patienten auszuplaudern (anonym natĂĽrlich). Was geht, was ging und warum gings oder gings nicht. Was war schlimm, was war schlimmer und warum sind Filmfans einfach zum Knuddeln. Oder warum gerade eure Partner so wunderbar ergänzend sind.
Und vor allem: was hab ich hier noch vergessen? (Alles geht unter: everythingcounts@gmx.net)

Ach ja, und falls das u.U. zu einer Art Partnerbörse mutieren sollte, dann opfere ich dafĂĽr eventuell noch eine Sonderausgabe. Ich bitte aber niemanden aufs Sofa, komme nicht mit dem Wohnwagen und “All you need is love” wird auch nicht gespielt. Maximal der “WalkĂĽrenritt” oder “Battle without Honor or Humanity“.

Man muss ja nicht gleich auf die Illusion verfallen, das könnte kampflos ablaufen.


Silvan Prefetzky



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