"The Outtake" - die exklusive Kolumne

The Outtake

Ich und mein Arschlochgen gehen in die Sneak…



“Es tut mir l…l…l…, es tut mir l…l…l…ach, leck mich doch am Arsch…” (Ein Fisch namens Wanda)”

Silvan Prefetzky aka MoonshadeGerade einen kleinen Check-up gemacht und festgestellt, abgesehen von den regelmäßigen Krankheiten, die mich dieses FrĂĽhjahr beuteln, spricht nichts gegen eine neue Kolumne nach viermonatiger Abstinenz – die Nachfragen verfolgen mich ja schon bis nach Hause. Also ich entschuldige mich dann mal ganz förmlich, manchmal geht irgendwie nix…das muĂź sich jetzt ändern!

Was hab ich gemacht die ganze Zeit? Neben einem Taschentüchervernichtungskrieg erster Kajüte (hält noch an *röööhr*), hab ich mich breitschlagen lassen, endlich festes Bestandteil einer wöchentlichen Sneakgemeinde in meiner Heimatstadt zu werden.

Was heißt überhaupt breitschlagen, mich hat die Seuche gepackt und zwar freiwillig. Da ich mich ja immer noch erfolgreich gegen legales oder illegales Downloaden wehre (ja, ich bin das…jetzt ist der Typ enttarnt…), die einzige Möglichkeit mal früher an Kinofilme ranzukommen, als am Premierentag. Wissensvorsprung ist was Feines fürs Ego, da kann man gut mit prahlen. Oder mit als Erster (bis auf die illegalen Downloader oder so…) Reviews schreiben. Höhö…

Was man aber damit auch gleich abfrühstückt: man fröhnt seinem Arschlochgen!

Während man, wie ich an dieser Stelle schon einmal schrieb, bei den meisten Nachfragen Normalsterblicher seine beste gespielte Bescheidenheit ĂĽber das gesamte Fachwissen an Film an den Mann bringen sollte – darf man dort vor Ort hemmungslos die Sau rauslassen.

Denn in einer Sneak sollte man doch mit Fug und Recht nur ausgefuchste Filmbuffs vermuten, deren unendliche Arroganz nur der eigenen gleich kommt. Nur der eigene Filmgeschmack zählt – alle anderen haben sowieso keine Ahnung.

Tatsächlich stehen und sitzen davon auch reichlich in der Gegend rum, die entweder steif brummelnd oder fröhlich in Kaskaden parlierend vor jeder Vorstellung Kommentare ausspucken, sobald ein unschuldiges Opfer den Namen irgendeines Films versehentlich in den Mund genommen hat.

“Wie fandest du den?”, knallt es den zufällig Anwesenden entgegen und egal wie die Antwort lautet, sie kann nur falsch sein!

Da kann man mit dem Gesprächspartner/Gegenüber/Angreifer ruhig einer Meinung sein, es sind die Gründe, die zählen.
Und sollten auch die noch stimmig sein, hat der Hauptdarsteller noch genĂĽgend andere Filme gedreht, bei denen keine Deckungsgleichheit in den Meinungen zu erwarten ist.

Das Schlimme ist: man kann sich der Anziehungskraft kaum entziehen. Da kann man sich noch so gut an seiner Freundin festhalten, man möchte nichts lieber tun, als aus dem Sitz über die drei Sitzreihen vor einem hechten und den Leuten mal erzählen, was eigentlich Sache ist. Noch lauter, noch argumentativer, noch überzeugter. Anschließend verbrennt man ihre Kleidung an Ort und Stelle und treibt sie nackt durchs Gebäude.

Es wĂĽrde nur nichts bringen – hier sind nahezu alle im Besitz der absoluten Wahrheit. Und sind sich dessen bewusst.

Und weil man sich in einer gut besuchten Sneak ja seinen Stammplatz sichern muĂź und deswegen Woche fĂĽr Woche schon eine Stunde vor der Werbung, den Gewinnspielen, den Trailern (…irgendwann gibt’s auch einen Film, vergisst man dabei fast manchmal…) da sein muĂź, stellt man sich und seine Geduld so immer wieder auf die Probe.

Läuft der Film aber erstmal, wird alles noch viel schlimmer, denn die verschiedenen Gruppen von Kinobesuchern mutieren in einer Sneak erstmal so richtig.

Kommt es während eines normalen Kinobesuchs eher selten vor, dass mal jemand vor Schluß der Vorstellung das Handtuch wirft, scheinen alle Regeln in einer Sneak aufgehoben zu sein.

Es wird kommentiert, es wird sich lustig gemacht, es wird reihenweise frĂĽher gegangen.

Bisweilen drängen Scharen von Besuchern den Ausgängen entgegen, kaum dass 30 Minuten eines Films vorüber sind.
Fassungslos muß man das Poltern und Rumpeln beim Leineziehen über sich ergehen lassen, denn obwohl sämtliche Besucher gekommen sind, um sich überraschen zu lassen, spielen offenbar die Erwartungen, die man an den zu präsentierenden Film stellt, doch die entscheidende Rolle. Werden diese nicht erfüllt, quittiert man das mit einem möglichst theatralischen Rückzug, als würde durch dieses ach so demonstrative Verhalten der Film, sein Regisseur und seine Besetzung an Ort und Stelle brüskiert werden.

Hoho, dem hat man es aber gezeigt.

Später gibt man dann an, nicht kostbare Lebenszeit damit verschwenden zu wollen, einen Film zu sehen, den man nicht mag – und das sind dann die Leute, die der “Geiz ist Geil”- Initiative permanent Rechnung tragen, indem sie Billigzigaretten rauchen, nur noch bei “Lidl” oder “Penny” einkaufen oder ihr Leben ĂĽber ebay organisieren, weil man ja 10 Cents zuviel ausgeben könnte, alles teurer wird und Politiker eben unfähig sind, das zu ändern. Drauf geschissen, lassen wir den Eintritt Eintritt sein, heute leben wir wie die FĂĽrsten.

Und nicht wenige fressen daraufhin irgendwelchen D-Klasse-Schrott aus der Videothek in sich rein oder versaufen das Doppelte des Eintritts noch mal in Form von Bier, während sie sich gegenseitig überzeugen wollen, Recht zu haben.

Am mächtigsten in ihrer scheinbaren Eigenständigkeit sind dabei jene, die schon bei Erscheinen des Filmtitels zu ihren Jacken greifen.

Das habe man nun wirklich nicht nötig, scheinen diese Leute uns sagen zu wollen, tonnenweise Selbstbestimmung ausstrahlend, wenn sie unter leisem Gelächter der restlichen Anwesenden damit beweisen, dass sie sich und anderen in Sachen Kino nichts mehr beweisen müssen. Sie WISSEN!

Macht sich doch gut, dass aus meiner Teilnehmerperspektive zu beobachten, mit genau dem gleichen MaĂź Arroganz und Mitleid, viel besser als diese “Experten” zu sein. Dabei vergisst man leicht, dass man aus deren Sicht selbst zu einer unverbesserlichen Gruppe von Besuchern gehört, die sich auf Teufel komm raus auch noch den letzten ScheiĂź reinquälen, weil sie dafĂĽr bezahlt haben und im AnschluĂź anderen was voraus haben.
Ja, doch, so einer bin ich. Und: Gott, was hab ich Ahnung! Ich bin der Größte!
Die armen Säue alle um mich rum – sie sind unrettbar verloren.

Willkommen im Club!

Hat man aber erstmal die Seuche, kommt man schlecht davon los…darunter leiden sogar normale Kinobesuche – weil man enttäuschenderweise ja weiĂź, was man gleich serviert bekommt.

Diese ganzen Geeks, Spinner und Idioten, sie sind kaum auszuhalten – aber sind sie auch genauso schlimm wie die dumpfe Masse, die sonst mit dir den Saal teilt?

Manchmal bin ich nicht sicher, denn ich fliehe am liebsten aus der Sneak, wie ich auch sonst aus einem Kino fliehe – denn die meisten Sneaker lassen sich mit ihrem Filmwissen auch gern noch darĂĽber aus, warum dieser Film nun gut oder schlecht, phantastisch oder scheiĂźe gewesen ist und das wirkt nicht selten aufgesetzt provokant, als wollte man sich gegen alle Strömungen stellen – Individualität mit maliziösem Lächeln vorgetragen. Dahinter der unausgesprochene Satz: du änderst mich sowieso nicht, egal was du sagst.

Bleibt mir in den lichten Momenten, die mir vergönnt sind, nur zu denken: Such deine eigene Wahrheit – und behalt sie am besten fĂĽr dich.

Aber genauso gut könnte man versuchen, das Meer aufzuhalten.

NatĂĽrlich gibt’s da noch mehr Kuriositäten zu berichten, aber die Texte sollen lieber kĂĽrzer sein und dafĂĽr öfter kommen. Ergo mach ich jetzt SchluĂź – muĂź noch Sneakkarten besorgen!

(Ăśbrigens gilt auch weiterhin: everythingcounts@gmx.net als Adresse fĂĽr WĂĽnsche, Meinungen und Kontroversen bezĂĽglich dieser Kolumne.)


Silvan Prefetzky



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