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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Norman Jewisons actionreiche Dystopie nach William Harrison

Stichwörter: 1970er Action Caan Dystopie Harrison Jewison Jubiläum Klassiker Literaturverfilmung SciFi Spielfilm USA


Rollerball (1975)
Anfang der 50er Jahre machte Norman Jewison im Rahmen von TV-Serien als Regisseur Karriere, Anfang der 60er Jahre wandte er sich dann zunehmend dem Lang- und Kinofilm zu; mit Doris-Day-Komödien legte er sich zunächst ein Image zu, das er dann zunehmend erweiterte: mit dem Drama "The Cincinnati Kid" (1965), dem Thriller "In the Heat of the Night" (1967) zum Rassismus-Thema, mit dem Heist-Klassiker "The Thomas Crown Affair" (1968) und mit den Musicals "Fiddler on the Roof" (1971) und "Jesus Christ Superstar" (1973). Nach einer Erzählung und dem Drehbuch von William Harrison legte er dann die Mixtur aus Dystopie, Actionfilm und Satire vor: "Rollerball", am 25. Juni 1975 uraufgeführt, unterstrich nochmals mit Nachdruck, dass der zu Beginn als Komödien-Regisseur wahrgenommene Jewison auch ein Händchen für Action und Gewalt hatte. Während die entsprechenden Szenen durchaus im Gedächtnis bleiben, erwies sich die Handlung als etwas schwachbrüstig: In der Nachfolge von Elio Teris "La decima vittima" (1966), Peter Watkins "Privilege" (1967), "The Gladiators" (1969) und "Punishment Park" (1971) oder auch Tom Toelles "Das Millionenspiel" (1970) wird eine Gesellschaft gezeichnet, in der quasi mit dem Rückgriff auf das große Spektakel, auf Gladiatorenspiele die Massen gelenkt und eingelullt werden sollen. Die gewalttätige Sportart Rollerball ist dabei ausgerechnet darauf angelegt, das Individuum klein zu halten – und der Film wird den Sieg des Rollerballs-Sportlerstars James Caan über die Interessen der alles überwachenden Konzernbosse als Lösungsweg verkaufen. Gerade aus dem Hollywood-Setting heraus ist dieser Sieg des durchsetzungs- und leistungsfähigen Individuums gegen eine Elite, die dem Individuum kaum mehr eine nennenswerte Bedeutung beimisst, kein sonderlich subversiver oder progressiver Zugang: Caan verkörpert US-amerikanische Werte, derweil im Feindbild Elemente des Ostblocks mit denen der Megacorporations verschmelzen, was die potentielle Zielgruppe vergrößert haben dürfte. Interessante Aspekte wie die Auslöschung des Wissens und der Vergangenheit, die auf George Orwells "1984" (1948) ebenso zurückgreift wie sie Trumps Bildersturm vorwegnimmt, gehen im actionorientierten Teil des Films weitgehend unter. An das satirische und kritische Potential eines "Privilege" kommt "Rollerball" nicht heran, sondern wirkt eher wie ein Vorläufer der mehr aufs Reißerische achtenden Werke der 80er-Jahre, darunter der Stephen-King-Roman "The Running Man" (1982) amt Verfilmung, das Lucio-Fulci-Vehikel "I Guerrieri dell'anno 2072" (1982) oder Yves Boissets "Le prix du danger" (1982).
Einen wohlwollenden Blick auf Jewisons nicht unumstrittenen Klassiker liefert das Review von McClane



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