24. März 2017

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von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Erotikthriller-Skandalfilm von Verhoeven & Durchbruch für Sharon Stone

Basic Instinct (1992)

Schon in "Turks fruit" (1973) griff Paul Verhoeven auf das Abjekte zurück, um gegen Konventionen & Anstandsregeln zu rebellieren; in den 80er Jahren festigte er seinen Status als skandalträchtiger Filmemacher mit "Spetters" (1980) und "De Vierde Man" (1983); "Flesh+Blood" (1985), welcher Verhoevens Wechsel in die USA markierte, provoziert bereits mit seinem Titel - und "RoboCop" (1987) bediente sich in einer für sein Budget ungewöhnlichen Weise bei einer drastischen Splatter-Ästhetik, zu welcher Verhoeven auch später hin und wieder zurückkehren sollte. Während "Total Recall" (1990) trotz seiner (comicartigen) Gewalt kaum Anstoß erregte, lieferte Verhoeven mit "Basic Instinct" seinen womöglich berüchtigtsten Skandalfilm ab, welcher zugleich einen Abschluss seiner hochwertigen US-Arbeiten darstellte: "Showgirls" (1995) - der wesentlich besser als sein Ruf ist - erreicht bei weitem nicht mehr die Klasse früherer Filme, die bewusst kolportagehafte Militarismus- & Faschismus-Satire "Starship Troopers" (1997) spaltet die Kritikermeinungen bis heute und "Hollow Man" (2000) hebt sich allenfalls wegen seiner Effekte von 08/15-Genrekost ab. Erst mit den europäischen Produktionen "Zwartboek" (2006), der sein ernstes Thema mit Spitzen der Kolportage & Exploitation anreichert, und "Elle" (2016), der wieder weit stärker den Tabubruch anpeilt, erhält sein Schaffen wieder vermehrten Zuspruch der Filmkritik.

Der am 20. März 1992 uraufgeführte "Basic Instinct", der Sharon Stone - die hier an der Seite von Michael Douglas spielt - den großen Durchbruch bescherte und den Verhoeven nach einem Drehbuch Joe Eszterhas' inszenierte, ist wie schon "De Vierde Man" ein Film über die femme fatale, über Homoerotik, ein Film auf den Spuren Hitchcocks und des film noir. Aber die Reaktionen fielen im Vergleich mit dem niederländischen Erotikthriller weit krasser aus: Die bedrohliche femme fatale, eine an Vergewaltigungen gemahnende Sexszene, die Zeichnung der lesbischen Frau, die Rivalität zwischen hetero- und homosexueller Beziehung sorgten für Protestaktionen von Feminist(inn)en und Homosexuellen, welche mehrfach die Dreharbeiten beeinträchtigten. Bei der Kinoauswertung wiederholten sich diese Proteste noch - und taten dem Film damit vielleicht sogar einen Gefallen, indem sie ihn skandalisierten (was auch das Feuilleton tat, indem es die enorme Freizügigkeit hervorhob, welche freilich im Kontext des damaligen Hollywood-Kinos gesehen werden muss und letztlich recht zurückhaltend, wenngleich höchst verführerisch ausfällt).
"Basic Instinct" provozierte solch ablehnende Haltungen auch sehr bewusst - verweigerte sich doch Verhoeven im Gegensatz zu Eszterhas entschieden einer Berücksichtigung der schon vor dem Dreh bekannten Bedenken. Sieht man den Film allerdings als ein Spiel mit (Film- und Geschlechter-)Klischees, scheinen viele ablehnende Haltungen Verhoevens Erotikthriller ohnehin zu verfehlen, wenngleich einige Aspekte des Films in der Tat nicht gänzlich unbedenklich sind. Dass zu den prominentesten (lesbischen) Verteidigerinnen des Films Camille Paglia zu zählen ist, welche als Feministin innerhalb des Feminismus auf viel Widerstand und Ablehnung stößt (und ihrerseits zahlreiche zeitgenössische Feministinnen scharf kritisiert), machte auch Jahre später auf den umstrittenen, skandalträchtigen Touch des Films aufmerksam, der in den doch eher zurückhaltenden Sex- & Gewaltszenen hingegen kaum (noch) wahrzunehmen ist.
Empfohlen sei die Lektüre des ausführlichen Reviews von Fastmachine...

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