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von PierrotLeFou

Vor 100 Jahren: Arthur von Gerlachs Meisterwerk nach Theodor Storms Spätwerk

Stichwörter: 1920er Dagover Deutschland Drama Forster Hartmann Heimatfilm Herlth Historienfilm Jubiläum Kammerspiel Klassiker Kraußneck Literaturverfilmung Meyer Poelzig Röhrig Spielfilm Storm Stummfilm von-Gerlach von-Harbou


Zur Chronik von Grieshuus (1925)
1884 erschien Theodor Storms Spätwerk "Zur Chronik von Grieshuus". Zum 40. Jubiläum des Stoffes machte sich Arthur von Gerlach an eine Verfilmung, die damals zu den Aushängeschildern der UFA zählte. Es sollte der zweite und letzte Film des Regisseurs sein, dem eine beachtliche Karriere hätte gelingen können, wäre ich er nicht ein knappes halbes Jahr nach der Premiere von "Zur Chronik von Grieshuus" verstorben wäre: Der Film erlebte seine Uraufführung am 11. Februar 1925, von Gerlach verschied am 4. August des Jahres in Berlin, keine 50 Jahre alt. So ist "Zur Chronik von Grieshuus" das Testament eines heute unterschätzten und weitgehend vergessenen Regisseurs – was, Ironie der Geschichte, zur Handlung des Films passt, geht es doch um den Zwist zweier Brüder und Erbstreitereien: Detlev, Herzoglicher Rat, ist der jüngere Sohn des Burgherren von Schloss Grieshuus, Hinrich dessen älterer Sohn, der die Tochter eines Leibeigenen erst rettet, dann ehelichen will. Der Vater will ihn angesichts dieses unstandesgemäßen Verhaltens enterben, zerreißt das Testament – und streitet sich bald darauf auch mit dem jüngeren Sohn, der seinerseits Heiratspläne hat, die Gesine, der Witwe eines Grafen gelten. Dabei erliegt er einem Herzinfarkt. Detlev strebt daraufhin Grieshuus und die Ländereien für sich, verschuldet mit dem erzeugten Druck sogar Frühgeburt und Ableben von Hinrichs Partnerin. Hinrich lässt sich letztlich zum Brudermord hinreißen und flieht daraufhin. Sein Sohn ist indes Detlevs Witwe Gesine ein Dorn im Auge: Sie plant seine Entführung, um Grieshuus für sich zu haben … Den schwermütigen Stoff, der sich von der Mitte des 17. bis ins frühe 18. Jahrhundert zieht, setzt von Gerlach mit namhaften Schauspieler(inne)n wie Arthur Kraußneck, Paul Hartmann, Lil Dagover und Rudolf Forster in der Lüneburger Heide um, wobei die großartigen Bauten von Robert Herlth, Walter Röhrig und Hans Poelzig in Verbindung mit der teils kraftvollen s/w-Fotografie nochmals expressionistische Effekte in den überwiegend naturalistisch wirkenden Film holen. Storms Stoff, von Thea von Harbou bearbeitet – einigen Quellen zufolge dabei von Carl Meyer beraten –, verbindet in von Gerlachs Verfilmung das humanistische Familiendrama aus feudalistischen Zeiten mit Elementen des Kammerspiels, des Historienfilms und einer Spielart, die man später als Heimatfilm fassen sollte.
Bei Universum Film liegt der Klassiker gewissenhaft restauriert seit gut zehn Jahren auf DVD vor: Fassungseintrag von scorefun







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