21. Mai 2020

Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Kleiner Dämpfer für Disney

Pocahontas (1995)

Über “Oliver & Company” (1988) und “The Little Mermaid” (1989) kämpfte sich Disney aus einem Tal der künstlerisch und kommerziell bloß wenig bemerkenswerten Erfolge und leitete mit "Beauty and the Beast" (1991) dann die goldenen 90er Jahre ein, die bald im legendären "The Lion King" (1994) gipfeln sollten. Diese Erfolgslinie hoffte man fortsetzen zu können, als man sich an "Pocahontas" machte und erstmals in einem der großen animierten Langfilme auf eine historische Figur Bezug nahm. Die Begegnung der Häuptlingstochter, die zwischen Indianerstämmen und englischen Kolonisten vermittelte, mit dem Kolonisten John Smith, dem sie das Leben gerettet haben soll, wird hier zur Romanze umgedichtet, ihr so faszinierendes wie tragisch frühes Ende blieb indes gänzlich ausgespart. Der ab 1910 mehrfach verfilmte Stoff – den auch Lew Landers im Jahr 1953 sowie Terrence Malick im Jahr 2005 besonders populär umsetzten – sollte vordergründig eine löbliche Botschaft gewährleisten, die für Verständigung und gegen Rassismus Zeichen setzte, aber die extreme Klischees bemühende Umsetzung mit einer Gleichsetzung von Hässlichkeit und Bösartigkeit und Ideen vom edlen Wilden sorgte freilich dafür, dass Disney auch hiermit keinen wirklich progressiven vorzulegen verstand. Ein bloß verhaltenes Happy End trug dann aber wohl in erster Linie dazu bei, dass sich der formal einmal mehr sehr souveräne und süßliche und durchaus unterhaltsame Disney-Film, der seine Premiere am 15. Juni 1995 vor rund 100.000 ZuschauerInnen feierte, letztlich als weniger erfolgreich entpuppte als erhofft. Das Ende der goldenen 90er Jahre zeichnete sich hier schon ab.
Eine günstige DVD-Version mit überschaubaren Extras hat Disney vor wenigen Jahren im Rahmen der Disney Classics-Reihe herausgebracht: Fassungseintrag von endoskelett

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