Un drame au fond de la mer (1901) & Histoire d'un crime (1901)
Vor 125 Jahren legte Ferdinand Zecca zwei frühe Kurz- und Stummfilme vor, die zu den Klassikern ihres Jahrgangs zählen. Der kürzere "Un drame au fond de la mer" nimmt dabei die weniger gewichtige Rolle ein, becirct aber mit dem Schauplatz, der abenteuerlichen Handlung und der Kameraarbeit zu Beginn: Da rollt nämlich die gemalte Kulisse samt Titelzug des Films von unten nach oben durchs Bildfeldes, welches das Publikums somit immer tiefer in die Tiefen des titelgebenden Meeres zieht. Einen Schnit später dann ist man am Meeresboden angelangt. Ein Wrack liegt dort, zwei Tote daneben, einander in die Arme gesunken, zwei weitere einzeln im Vordergrund verstreut. Die Taucher, die sich abseilen, haben aber nur Interesse an den Schätzen – und entzweien sich sogleich beim Fund: Einer wird dem anderen die Sauerstoffzufuhr kappen. Dieser stirbt im raschen Todeskampf, sein Mörder macht sich samt Beute wieder an den Aufstieg.
Während die simulierte Abwärtsfahrt der Kamera in Verbindung mit dem Schnitt in "Un drame au fond de la mer" für ein wenig Raffinesse sorgte, schrieb der im Mai 1901 uraufgeführte "Histoire d'un crime" schnell Filmgeschichte und wurde ein wichtiger Bezugspunkt für die Filmhistoriker. Hier entspinnt sich in mehreren montierten Einstellungen eine wesentlich umfangreichere Kriminalgeschichte, die Raubmord, Ergreifung des Täters, seine Haft und seine Reflexion seines Lebens und der Tat umfasst, um mit der Hinrichtung zu enden. Die Geschichte bemüht sich stärker darum, ihre Tragik zu entfalten: nicht räumlich im Nebeneinander von Kadavern Ertrunkener und dem Zwist aus Gründen der Habgier, sondern im zeitlichen Nach- und Durcheinander. Denn der Film, der gerne als erster Kriminalfilm tituliert wird, gilt als erster Film, der mit einer Rückblende arbeitet. Wobei sich die erinnerten Lebensepisoden des Mörders als Bewegtbild an der Wand seiner Gefängniszelle abspielen. Ein Bewegtbild, das aber nicht in die Einstellung montiert wurde: Das Geschehen auf der Wand wurde in einem Raum hinter der schaufensterartig Einblick gewöhrenden Wand aufgeführt; mittels Stopptrick wurden diese Episoden im Rahmen der vermeintlich kontinuierlichen Einstellung der Zelle mit dem träumenden/reflektierenden Mörder aneinandergereiht.
Beide Filme liegen beim BFI auf DVD vor: "Un drame au fond de la mer" in der Edition Fairy Tales, "Histoire d'un crime" in der Edition Early Cinema: Primitives and Pioneers: Fassungseintrag von Cine-Phil …
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