19. Mai 2017

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von ratz

Vor 25 Jahren: David Finchers holperiger Karrierestart

Alien³ (1992)

Mit „Alien: Covenant“ startete gestern in unseren Kinos ein weiterer Teil des dystopischen SciFi-Horror-Franchises, das 1979 mit dem ersten „Alien“-Film seinen Anfang nahm – ein passender Anlaß, um genau 25 Jahre zurückzuspringen. Denn am 19. Mai 1992 feierte der dritte Teil der Reihe in Kalifornien seine Premiere und war zugleich der Karrierestart für seinen Regisseur David Fincher, der nach „Alien³“ seine Arbeit vor allem im Thrillerfach bis heute äußerst erfolgreich fortsetzen sollte. Für einen Erstlings-Langfilm ist Finchers Beitrag ein erstaunlich souveränes und stilsicheres Werk, im Quartett der vier „Alien“-Filme gilt er vielen allerdings als schwächster Teil. Und wirklich bleiben auch dem wohlgesonnenen Zuschauer von „Alien³“ vor allem dramaturgische  Probleme nicht verborgen, die man jedoch angesichts der schwierigen Produktionsgeschichte des Films schwerlich seinem Regisseur zur Last legen kann.

Denn David Fincher, der sich – noch kein 30 Jahre alt – als Regisseur von Werbe- und Musikvideos bereits einen exzellenten Ruf erworben hatte („Vogue“, Madonna), war keineswegs die erste Wahl des 20th-Century-Fox-Studios, auf dem der gewaltige Erfolg der Vorgängerfilme von Ridley Scott und James Cameron lastete. So wurden über vier Jahre immer wieder neue Autoren und verschiedene Szenarien verschlissen, bis 1991 schließlich die Dreharbeiten beginnen konnten. Dann aber mußte aus gesundheitlichen Gründen der Kameramann ersetzt werden, der Kostümbildner ging im Streit, es gab eine dreimonatige Drehpause, in der das Drehbuch umgeschrieben wurde, außerdem ständigen Streit zwischen Fincher und den Produzenten, der bis zum völligen Zerwürfnis führte… Und doch kann man „Alien³“ seine Qualitäten nicht absprechen: Das Konzept, nach Camerons martialischem „Aliens“ wieder zu Scotts fokussierter Erzählweise des ersten „Alien“-Films zurückzukehren und die Atmosphäre wirken zu lassen, setzt Fincher mit bewundernswertem Gespür für starke Bilder um. Denn es sind tatsächlich die Bilder in ihrer opulenten Düsterkeit, die bis heute beeindrucken: Verletzlich wie kaum je zuvor und mit kahlgeschorenem Kopf muß sich die Heldin Ellen Ripley (Sigourney Weaver) gegen den lebensfeindliche Umwelt des Strafplaneten, gegen dessen gewalttätige Insassen und natürlich gegen das intelligente und gnadenlose Wesen aus einer fremden Welt zur Wehr setzen. Die Verbindung von hektischen Jagden durch endlose, labyrinthische Tunnel und religiös aufgeladener Märtyrergeschichte macht „Alien³“ auch heute noch zu einem lohnenswerten Film, auch wenn daraus kein Meisterwerk werden durfte oder konnte.

Die geballte Konzentration von mystischer Trostlosigkeit war allerdings für manchen Zuschauer in Amerika zuviel, wo der Film als Flop galt und bei den Kritikern ein geteiltes Echo hervorrief. David Fincher hat das nicht geschadet, im Gegenteil: seine Folgeprojekte sind beinahe ausnahmslos Meilensteine des anspruchsvollen US-Mainstreamkinos. Auf dem Heimkinomarkt ist der Film bzw. die ganze überaus populäre „Alien“-Reihe in verschiedensten DVD- und Blu-ray-Ausgaben erhältlich, immer mit umfangreichen Bonuspaketen. Aus der Vielzahl von OFDb-Kritiken sei der Text von McClane herausgegriffen, der auch auf die Unterschiede zwischen Kino- und der (von Fincher nicht autorisierten) Langfassung eingeht.

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