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von Stefan M

Vor 50 Jahren: Roman Polanski lässt den Film noir für die 70er wieder aufleben

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Chinatown (1974)
Der nunmehr 90-jährige Roman Polanski wilderte seit Beginn seiner Regiekarriere in verschiedenen Genres: Wenn er sich auch in den 60ern hauptsächlich mit seinen Horror-Beiträgen "Ekel" und "Rosemary's Baby" sowie der Vampir-Komödie "Tanz der Vampire" einen Namen machte, probierte er sich dabei auch an Dramen ("Das Messer im Wasser") und schwarzen Komödien ("Wenn Katelbach kommt..."). In den 70ern folgten dann das Shakespeare-Drama "Macbeth" und die Gesellschaftssatire ",Was?". Es kann daher nicht verwundern, dass er danach wieder etwas Neues ausprobieren wollte – und zwar mit "Chinatown" die Neuauflage des Film noirs, der seine Blütezeit in den 40ern und 50ern hatte.
Folglich lässt Polanski die Handlung auch in den 30ern ansiedeln. Im Zentrum steht Jake Gittes (Jack Nicholson), der als Privatdetektiv den Auftrag erhält, einen Mann wegen Verdachts auf Seitensprung zu beschatten. Doch schnell stellt sich heraus, dass die Auftraggeberin sich ihm unter falschem Namen vorstellte – und dass der zu beschattende Mann zwar tatsächlich ein Verhältnis mit einer jungen Frau hat, aber das wird schnell zur Nebensache, denn kurz darauf wird der tot aufgefunden. Gittes' Interesse ist geweckt, und da ihn bald darauf auch die Witwe (Faye Dunaway) offiziell anheuert, den Tod zu untersuchen, steckt er alsbald knietief in einer Affäre, die weit über das hinausgeht, wonach es anfänglich ausgesehen hat.
Schon die vorigen Zeilen deuten die Komplexität des brillanten oscarprämierten Skripts von Robert Towne an, und tatsächlich gilt es wie in so manchen klassischen Noirs wie "Tote schlafen fest", nicht den Überblick zu verlieren, weil die Story so viele Haken schlägt. Inspiriert wurde die hervorragend besetzte Geschichte – der eigentliche Regisseur und Gelegenheitsschauspieler John Huston, verantwortlich für einige Film noirs ("Die Spur des Falken"), hat hier auch eine größere Rolle – in tollem 40er-Jahre-Ambiente rund um einen Wasserversorgungsbetrug von einer wahren Begebenheit: den California Water Wars. Neben der verwinkelten Story sind eigentlich alle klassischen Elemente enthalten, die die Genrevertreter in den Jahrzehnten zuvor enthielten: den Privatdetektiv, einen geheimnisvollen Auftrag, die (vermeintliche?) Femme fatale, eine grundsätzliche Atmosphäre des Misstrauens und zwielichtige Typen. Polanski ist damit selbst ein verspäteter Klassiker der Schwarzen Serie gelungen, der in Sachen Pessimismus den Großteil seiner Vorbilder sogar noch übertrifft.
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