Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 100 Jahren: Expressionistischer Kammerspiel-Klassiker von Jessner und Leni

Stichwörter: 1920er Deutschland Dieterle Drama Expressionismus Jessner Jubiläum Kammerspiel Klassiker Kortner Leni Liebesfilm Mayer Porten Spielfilm Stummfilm Trilogie

Hintertreppe (1921)

Als (Ko-)Autor der frühen expressionistischen deutschen Stummfilme "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920) und "Genuine" (1920) hatte sich Carl Mayer als Experte für das Phantastische ausgewiesen. Für Friedrich Wilhelm Murnaus Filme "Der Bucklige und die Tänzerin" (1920), "Der Gang in die Nacht" (1921) und "Schloss Vogelöd" (1921) milderte er das Phantastische ab und beschränkte sich auf bizarre, schwarzromantische und/oder fatalistische Elemente. Über den kammerspielartigen, leicht expressionistischen "Verlogene Moral" (1921) Hanns Kobes und mehr noch über Lupu Picks Kammerspiel "Scherben" (1921) wandelte sich Mayers Image dann langsam und Sozialdramen mit durchaus auch naturalistischem Anstrich, mit kammerspielartigen Zügen und Schwerpunkt auf Kleinbürger(inne)n oder der unteren Mittelschicht, rückten zunehmend ins Zentrum von Mayers Schaffen.
Zu diesen Filmen gehört auch "Hintertreppe", der am 11. Dezember 1921 uraufgeführt worden ist. Das Datum, urteilte Kurt Pinthus seinerzeit, müsste "in die Geschichte der deutschen Filmkunst mit roter Farbe eingetragen sein". "Hintertreppe" – gerne als Mittelteil einer losen Kammerspiel-Trilogie Mayers zwischen "Scherben" und "Sylvester - Tragödie einer Nacht" (1924) eingeordnet – ist ein Kammerspiel, mild expressionistisch angelegt, inszeniert unter anderem von Paul Leni, der hier auch – als früherer Szenenbilder von Rang – an der Filmarchitektur mitwirkte; inszeniert aber auch von Leopold Jessner, der passenderweise für das Bühnenmodell der Jessner-Treppe verantwortlich war und der als Theaterregisseur generell berühmt-berüchtigt für seinen expressionistischen Stil war, den er oftmals dem Star Fritz Kortner auf die Bühne brachte. Kortner ist auch hier dabei: in Jessners erster Filmregiearbeit – der ersten von insgesamt vier Arbeiten (von denen sonst bloß noch "Erdgeist" (1923) als Meisterwerk in die Filmgeschichte eingehen sollte). Neben Kortner stehen noch Henny Porten und Wilhelm bzw. William Dieterle, der spätere Erfolgsregisseur, vor der Kamera; sie alle spielen ausdrucksstark und fast schon choreografiert ihre Figuren dieses beklemmenden Dramas im Milieu der kleinen Leute, die inmitten der kontrastreichen, meist vorwiegend dunklen Kulissen aus beengten Innenräumen und leicht schiefen, verwinkelten Außenplätzen nur einmal ein Gefühl von wahrer Freiheit erlangen: Im Finale nämlich, als die weibliche Hauptfigur auf den Dachzinnen ihrem Freitod entgegenstrebt. Worum genau es geht, verrät die Inhaltsangabe von PierrotLeFou


Kommentare und Diskussionen

  1. Noch keine Kommentare vorhanden

Um Kommentare schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Registrieren/Einloggen im User-Center

Details
Ähnliche Filme