7. Dezember 2018

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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Corbuccis Schnee-Western mit Trintignant und Kinski

Il grande silenzio (1968)

Mit "Django" (1966) hinterließ Corbucci einen populären Kultklassiker, der vor allem in der deutschen Titelschmiede seine Spuren hinterließ. Nach diesem schmutzigen Western mit der so coolen wie fragwürdigen Titelfigur sollte Corbucci noch zig weitere Klassiker des Genres folgen lassen: Der am 22. November 1968 uraufgeführte "Il grande silenzio" ist mit seiner tragischen, einsamen Hauptfigur, dem deprimierenden Finale und den kalten, weißen Schneelandschaften vielleicht sein bester Western geworden – und einer der schönsten Western überhaupt.
Dass der Schneewestern zuletzt von "Wind River" (2017), "Neruda" (2016), "The Revenant" (2015) und "The Hateful Eight" (2015) zitiert worden ist – von recht sozialkritischen und/oder moralischen Filmen also, die sich dieser Sparte sehr reflexiv nähern und daher nicht als (reine) Western zu betrachten sind –, ist kein Zufall: Der Western in Schneelandschaften verhandelte mit der unwirtlichen und kalten Umgebung stets Isoliertheit, relative Hilflosigkeit und eine soziale Kälte... "Track of the Cat" (1954), "Day of the Outlaw" (1959), "McCabe & Mrs. Miller" (1971), "Condenados a vivir" (1972), "Jermiah Johnson" (1972) – mit Einschränkungen – oder "The White Buffalo" (1977) mögen als Beispiele neben "Il grande silenzio" genügen, der Ende der 60er Jahre im Klima der Spät-, Anti- und Italowestern eine Art Initialzündung für den Schneewestern darstellte. Im klirrend kalten, eisigen Setting erzählt der Film zum einen die Geschichte amoralischer Kopfgeldjäger, welche – darauf bedacht, möglichst das Gesetz zu wahren – aus finanziellem Interesse unter der Führung Locos (Kinski) Jagd auf Gesetzlose – mit zumeist tragischen Hintergründen – machen und sie stets tot ausliefern. Ihnen steht die Titelfigur (Trintignant) gegenüber, der als Kind von einem der Schurken die Stimmbänder durchtrennt worden waren, um über das Geschehen zu schweigen, dessen Zeuge sie geworden war: Als stummer Rächer, der Kopfgeldjägern die Daumen abschießt, reagiert der tragische Held, zu Schweigsamkeit und Einsamkeit sowie zur Zeugenschaft dauernden Unrechts verdammt, auf die Missetaten im Namen eines ungerechten Gesetzes – und befriedigt dabei bald nicht bloß die eigenen Bedürfnisse, sondern auch diejenigen einer von den Kopfgeldjägern um Sohn und Mann beraubten Frau. Doch der pessimistische Tonfall des Films mündet im Sieg des Unrechts: Eiskalte Menschen, kalte Gesetze, frostige Landschaften – und über allem legt sich der großartige Soundtrack Morricones, der voll heulender, seufzender und schneidender, klirrender Klänge steckt, die diesen Schweewestern-Meilenstein noch einmal so richtig aufwerten...
Ausführlicher äußern sich Adalmar (Review) und Bretzelburger (Review) in ihren lesenswerten Texten...

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