La stanza del figlio (2001)
Nanni Moretti gehört zu jenen italienischen Regisseuren, die sich ausgerechnet in der so schwierigen Phase des italienischen Kinos der 80er Jahre ihre Karriere aufbauten und sich international Geltung verschaffen konnten: Schon 1973 begann er noch während des Studiums mit Kurzfilm-Arbeiten, doch Langfilmarbeiten inszenierte er in dieser Dekade bloß zwei – die Super-8-Produktion "Io sono un autarchico" (1976) und "Ecce bombo" (1978), der in Cannes bereits positive Resonanz und eine Nominierung für die Palme d'Or erntete. Schon dort finden sich autobiografische Züge der Hauptfigur, die Moretti später mehrfach intensivieren sollte. Zu einem Markenzeichen wurde bald auch ein humoristischer, heiterer Tonfall, die sich vom Gros italienischer Komödien allerdings abhob. "Caro diario" (1993), Morettis Tagebuchfilm, in dem er sich schließlich selbst spielen wollte, blieb sein vorläufiger Klassiker, dessen Erfolg er acht Jahre später mit einem ergreifenden Drama über Verlust und Trauerarbeit toppen sollte: Der am 9. März 2001 uraufgeführte "La stanza del figlio" mauserte sich flugs zu Morettis bekanntestem Streifen – und sollte es bis heute bleiben. Moretti spielt auch hier die – weniger stark autobiografisch angelegte – Hauptrolle, während der Tonfall allerdings eine Wehmut mit sich führt, die in früheren Arbeiten so nicht wahrnehmbar war. Die Hauptfigur ist der Psychoanalytiker Giovanni, der mit seinen Patient(inn)en über ihre Sorgen und Bedürfnisse spricht, dem aber nach dem Unfalltod seines Sohnes sowohl die Arbeit als auch das eigene Familienleben zu entgleiten drohen. Das Zusammentreffen mit einer Freundin des Verstorbenen, die von seinem Ableben zunächst nichts weiß, hilft schließlich bei der Trauerarbeit. Nicola Piovani, seit Langem Morettis Stamm-Pianist, findet für das leise Drama einfühlsame Klänge und dürfte erheblich zum ergreifenden Charakter des Films beigetragen haben.
Gut erhältlich ist der – seit einigen Monaten auf dem YouTube-Kanal von Arthaus frei zugängliche – Film seit 2020 zusammen mit Morettis "Aprile" (1998) auf einer Blu-ray bei Arthaus: Eintrag von gül
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