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von PierrotLeFou

Vor 75 Jahren: Wilhelm Hauffs Märchen – von Paul Verhoeven hervorragend verfilmt

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Das kalte Herz (1950)
"Wer durch Schwaben reist …" So beginnt Wilhelm Hauffs Kunstmärchen "Das kalte Herz" (1827), das sicher zu den schönsten Märchenstoffen gehört. Die Geschichte vom Kohlenmunk-Peter, der mit seiner sozialen Stellung hadert, mit Eifersucht auf die stattlicher ausstaffierten Flözer blickt und schließlich – trotz der Warnungen vom Schatzhauser, dem Glasmännlein, einen Pakt mit dem schrecklichen Holländer-Michel eingeht und sein Herz gegen ein steinernes, kaltes Herz hingibt, um endlich zu Reichtum zu gelangen, mag Kinder wie Erwachsene gleichermaßen anrühren: Wenn sich Kohlenmunk-Peter nicht bloß an mittellosen Landstreichern versündigt, sondern auch Mutter und seine mit dem erlangten Reichtum geradezu erworbene Frau, Lisbeth, ins Unglück stürzt, besitzt Hauffs Erzählung eine intensive Tragik, der man sich nur schwer entziehen kann. Sind diese Teile des Stoffes wahrlich bestürzend, so zeigt sich die tiefe Reue der Hauptfigur geradezu erhebend und ehrlich anrührend. Dass kleinere, durchaus von Hauff im Märchen angesprochene Ungereimtheiten bleiben – etwa der Umstand, dass der Kohlenmunk-Peter, obwohl er ein kaltes Steinherz hat, sein warmes, eigenes Herz zurückerlagen will – und dass das Glasmännlein letztlich ein sehr phantastisches Happy End gewährleistet, an dem alle Schicksalsschläge wieder aufgehoben, gar rückgängig gemacht werden, verzeiht man angesichts der vielen berührenden Elemente nur zu gerne. In der DDR wurde dieses Märchen, in dem Reichtum nicht glücklich macht, von Paul Verhoeven – der nicht mit seinem namensgleichen jüngeren niedländischen Kollegen zu verwechseln ist – adäquat verfilmt, wenn auch der Kohlenmunk-Peter hier vor allem der Liebe wegen nach dem großen Reichtum strebt: In Babelsberg für vergleichsweise hohes Budget in Agfacolor abgedreht, macht "Das kalte Herz" optisch viel her, wobei die Schauspieler(innen) wie Lutz Moik (Peter), Hanna Rucker (Lisbeth), Paul Bildt (Schatzhauser), Erwin Geschonneck (Holländer-Michel) und Paul Esser (Ezechiel) mit viel Wonne dabei zu sein scheinen. Es ist aber vor allem die Farbdramaturgie, die in den Bann zu ziehen vermag – und in einzelnen Passagen eine Unheimlichkeit heraufbeschwört, die mit dem Holländer-Michel und der Herz-Entnahme jüngeren Zuschauer*innen das Blut in den Adern zu gefrieren lassen weiß. 75 Jahre später hat der am 8. Dezember 1950 uraufgeführte Klassiker nichts von seiner Effektivität und der humanistischen Ausrichtung verloren.
Bei Eureka liegt der Film in der Masters of Cinema-Reihe als Limited Edition auf Blu-ray vor: Fassungseintrag von ratz



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