Miracolo a Milano (1951)
Sowohl der Drehbuchautor Cesare Zavattini als auch der Regisseur und Schauspieler Vittorio de Sica sind untrennbar mit dem Neorealismus verbunden – auch wenn sie noch Jahre nach dessen Abklingen aktiv waren. Kurios mutet da erst einmal der am 8. Februar 1951 uraufgeführte "Miracolo a Milano" an, mit dem sich Zavattini und de Sica der Phantastik widmeten. Es verwundert vielleicht etwas weniger, wenn man bedenkt, dass Zavattinis erste Buchveröffentlichung die liebenswerte, humorvolle phantastische Erzählung "Parliamo tanto di me" (1931) war – und dass sich de Sica kurz vor seinem Tod recht gut als aristokratischer Gastgeber in "Dracula cerca sangue di vergine… e morì di sete!!!" (1974) schlug. Am Tag, als de Sica "Parliamo tanto di me" gelesen hatte, hatte er auch Zavattini kennengelernt: Sowohl die Erzählung als auch de Sicas später veröffentlichte Vorrede wurden hierzulande 1958 bei Diogenes veröffentlicht. Aus der Bekanntschaft sollte eine Freundschaft hervorgehen, mit der dann auch eine fruchtbare Zusammenarbeit einhergehen sollte. "Miracolo a Milano" wirkt wie eine Rückbesinnung auf dieses Frühwerk Zavattinis, um der neorealistischen Richtung neue Impulse zu verleihen. Sozialkritischer Blick und eskapistische Fantasie tanzen hier einen Reigen, neorealistische Einzelsituationen, die sich aus der eng verketteten Handlungslogik lösen, erhalten – wie das kindliche Spiel mit einer Tür ohne Wand – einen surrealen Touch, gipfelnd im schlussendlichen Ritt der Figuren auf ihren Kehrbesen: Hier besitzt Zavattinis Geschichte einen Hauch von Mikhail Bulgakovs Roman "Master i Margarita" (1928/1940), streift aber die ätzende Satire zugunsten einer vielleicht allzu frommen Versöhnlichkeit ab. Und zugleich wurde die Szene auch ein kleiner Bezugspunkt von Steven Spielbergs "E.T. the Extra-Terrestrial" (1982). Überhaupt fand "Miracolo a Milano" mit seiner Mixtur scheinbar gegensätzlicher Stoßrichtungen viel Zuspruch, landete immer wieder auf zahlreichen Bestenlisten und gehört längst zu den großen Klassikern im italienischen Kino oder im europäischen Kino der 50er Jahre.
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