25. Januar 2019

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von ratz

Vor 25 Jahren: Ein Coen-Film floppt an den Kinokassen

The Hudsucker Proxy (1994)

Bei näherer Betrachtung des inzwischen recht umfangreichen Filmœuvres der Coen-Brüder wird klar, daß es sich eigentlich immer um Satiren handelt – manchmal versteckt im Gewand eines grimmigen Film Noir oder eines Western, oft aber auch geradeheraus, mit hohem Tempo, überzeichneten Figuren und pointierten Dialogen. Zu letzteren gehört zweifelsohne „The Hudsucker Proxy“, der am 27. Januar 1994 beim Sundance Film Festival seine Premiere feierte. Doch gerade dieser bisher teuerste Film der Coens (zwischen 30 und 40 Millionen Dollar Produktionskosten) wurde ein veritabler Flop an den Kinokassen.

Was das Publikum und die Kritiker an „Hudsucker“ nicht überzeugt hat, insbesondere im Rückblick und in Vertrautheit mit dem Coenschen Repertoire, ist nicht so leicht nachzuvollziehen: Gleichzeitig Schelmenroman und Kapitalismus-Satire, wird die Geschichte des naiven Landeis Norville Barnes (Tim Robbins) erzählt, der im Jahre 1958 von einem Firmenvorstand als „nützlicher Idiot“ eingesetzt werden soll, jedoch unerwartet Erfolg hat und in seiner Gutherzigkeit sogar eine unbestechliche Journalistin (Jennifer Jason Leigh) für sich gewinnen kann. Nicht nur mit dem Figurenensemble, das auch Paul Newman als knurrigen Boss aufbietet, oder mit den gewitzten, staccato-artigen Screwballdialogen schwelgen die Coens in (kritischer) Nostalgie. Auch stilistisch erweist „Hudsucker“ der goldenen Hollywood-Ära der 40er Jahre vielfältig Referenz, sei es im Art-Deco-Produktionsdesign oder in den metropolisartigen Wolkenkratzersilhouetten (die noch ganz klassische Miniaturbauten sind und in ihrer Künstlichkeit zum entrückten Look des Films beitragen). Doch genau diese Detailverliebtheit und Zitierwut wurde „Hudsucker“ vorgeworfen; es fehle, so manche Kritiker, der Zugang zu und das Interesse für die Figuren.

Tatsächlich entbehren diese Punkte nicht jeder Grundlage und konnten bzw. können beim ersten Sehen den unvorbereiteten Zuschauer befremden. Auch eine gewisse dramaturgische Ermüdung im dritten Akt soll nicht verschwiegen werden. Doch immerhin liegt selbst ein problematischer, früher Coen-Film weit über dem Durchschnitt der sonstigen US-Filmproduktionen jener Jahre, und erst das wiederholte Sehen offenbart all die cleveren Anspielungen und Wendungen des Drehbuchs, an dem auch Sam Raimi mitgeschrieben hat. Insofern bescherte das deutsche Label Turbine allen Coen-Verehrern zum letzten Weihnachtsfest eine große Freude, als es „The Hudsucker Proxy“ bei uns erstmalig auf Blu-ray (Fassungseintrag) herausbrachte. Und natürlich sollten die Coens mit ihrem nächsten Film „Fargo“ (1996) zur perfekten Balance zwischen Stil und Figurenzeichnung finden. Ihr letztes Werk, "The Ballad of Buster Scruggs" (2018), ist übrigens in weiten Teilen wieder eine – man ahnt es – Satire.

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