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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Liliana Cavanis gewagtes Drama

Stichwörter: 1970er Bogarde Cavani Drama Erotik Italien Jubiläum Klassiker Rampling Skandalfilm Spielfilm

Il portiere di notte (1974)

Mit "L'ordine del tempo" (2023) hat sich Liliana Cavani im letzten Jahr zurückgemeldet. Ihre vorherige Regiearbeit war da fast schon 10 Jahre alt: "Francesco" (2014), ein zweiteiliger TV-Film über Franz von Assisi, über den Cavani bereits "Francesco" (1989) mit Mickey Rourke, Helena Bonham Carter, Andréa Ferréol, Hanns Zischler und Mario Adrof sowie "Francesco di Assisi" (1966) mit Lou Castel gedreht hatte. Und obgleich Franz von Assisi das zentrale Thema in ihrer Arbeit zu sein scheint, ist sie vor allem als Skandalfilmregisseurin ins kollektive Gedächtnis eingegangen: Dafür sorgten – nachdem schon "Francesco di Assisi" hochgradig  umstritten war und "I cannibali" (1970) sowie "L'ospite" (1972) provokativ daherkamen – vor allem "Il portiere di notte" (1974) sowie die Malaparte-Verfilmung "La pella" (1981), die beide auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs rekurrieren. Tatsächlich bildete auch die Aufarbeitung des Faschismus eines der wiederkehrenden Themen ihrer frühen dokumentarischen Arbeiten. In dem am 3. April 1974 uraufgeführten "Il portiere di notte" gibt zwar die Nachkriegszeit den Handlungseitraum ab; doch in selbiger pflegen Dirk Bogarde als ehemaliger SS-Offizier Maximilian Theo Aldorfer und Charlotte Rampling als KZ-Überlebende Lucia Atherton nach ihrer Wiederbegegnung eine sadomasochistische Amour fou, die sie schon im Lager gepflegt hatten. Selbige erweist sich als besonders fatal, als weitere Alt-Nazis aus Max' Umfeld die Frau, die sie als unbequeme Zeugin betrachten, ermorden wollen. Der Film, der zu den Vorbildern vieler exploitativer KZ-Dramen und Thrillern zählt, die vor allem in Italien Mitte/Ende der 70er Jahre entstanden, provoziert noch heute mit seiner Thematik und löste seinerzeit eine Zensurdebatte, aus welcher der Film erst nach Streiks und der Fürsprache von Visconti, Bertolucci und anderen hervorging. Wenn man das noch heute ungeheuerliche Skandalon des Films hinzunehmen bereit ist, erhält man aber eben nicht nur einen Skandalfilm (der sicher zu den großen Skandalfilmen der 70er Jahre schlechthin zu zählen wäre), sondern auch eine spannende Verhandlung von Männer- und Frauenrollen, Politischem und Privatem, gut und böse...
Seit November 2022 liegt eine hervorragende Edition des Films bei Wicked Vision auf (Ultra HD) Blu-ray vor: Fassungseintrag von ratz


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