3. Februar 2020

Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 75 Jahren: Durchhaltepropaganda in Na­zi­deutsch­land

Kolberg (1945)

Als "Kolberg" als letzter Streifen mit "Film der Nation"-"Gütesiegel" am 30. Januar 1945 in La Rochelle und zugleich auch in Berlin seine Uraufführung erlebte, war die Lage noch eine gänzlich andere als im ersten Halbjahr 1943, als Goebbels mit einer Filmversion des Stoffes liebäugelte, um am 1. Juni 1943 den Filmemacher Veit Harlan zu kontaktieren, der zuvor vor allem mit seinem "Jud Süß" (1940) alle Erwartungen an einen antisemitischen Propagandafilm im Historienfilm-Setting voll erfüllt hatte. Der irrsinnig kostenspielige Agfacolor-Monumentalfilm, der mit angeblich weit über 100.000 Statisten und aufwendigen Schauwerten & Effekten die Belagerung Kolbergs schilderte, um die Macht eines "in Heimat und Front geeinte[n] Volk[es]" gegenüber dem Gegner zu feiern (und dabei zu ignorieren, dass der die Belagerung beendende Frieden von Tilsit den Charakter eines Diktatfriedens aufwies), entpuppte sich dann schließlich – anders als beispielsweise "Münchhausen" (1944) – als vergleichsweise wenig breitenwirksamer Film. In den Jahren bis 1945 hatte die Zahl der explizit politischen Filme im prozentualen Verhältnis gesehen ohnehin zunehmend abgenommen; und angesichts der Lage Anfang 1945 dürfte ein recht offenkundig als Durchhaltefilm gedachtes Epos allzu manipulativ und wenig glaubwürdig gewirkt haben – Harlan selbst äußerte in der Nachkriegszeit, solche Gedanken schon während des Filmdrehs gehabt zu haben. Dass man die – für die Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft eigentlich notwendigen, psychologisch betrachtet allerdings auch potentiell demotivierenden – Schäden, Verletztungen und Todesfälle auf Seiten der preußischen Bevölkerung aus Harlans ursprünglicher Version herausgeschnitten hatte, konnte nicht verhindern, dass sich "Kolberg" trotz Stars wie Heinrich George, Kristina Söderbaum und Paul Wegener sowie unstreitbarer Schauwerte von Tag zu Tag weniger zugkräftig zeigte.
Ausführlich geht Bretzelburger in seinem Review auf Inhalt, Absicht und Kontext des Films ein.

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