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von ratz

Vor 25 Jahren: Durchbruch für Cate Blanchett

Stichwörter: 1990er Biographie Blanchett Drama Fiennes Großbritannien Historienfilm Jubiläum Kapur Klassiker Liebesfilm Rush Spielfilm

Elizabeth (1998)

Im Jahr 1998 brachte das Universal-Studio zwei einander überaus verwandte Historienfilme über das England des 16. Jahrhunderts heraus: nicht nur spielte in beiden eine Frau die Hauptrolle, es standen ihr mit Joseph Fiennes und Geoffrey Rush jeweils auch noch die gleichen Schauspielstars zur Seite… Die Rede ist vom Königinnen-Drama „Elizabeth“, das am 8. September beim Festival in Venedig uraufgeführt wurde, und von der romantischen Komödie „Shakespeare in Love“, die nur drei Monate später Premiere feierte. Bei den Oscar-Verleihungen im folgenden Jahr wurde der Crowdpleaser „Shakespeare in Love“ mit Preisen überschüttet, der etwas sperrigere Film „Elizabeth“ hingegen wurde lediglich für das Make-up ausgezeichnet.

Dabei legen der Drehbuchautor Michael Hirst und Regisseur Shakhar Kapur alles andere als ein Allerwelts-Biopic hin, sondern finden einen sehr spezifischen Zugang zur Königin Elizabeth I. (über deren historische Sonderstellung vermutlich schon ganze Bibliotheken geschrieben wurden). Der Film nimmt die 1550er Jahre Englands in den Blick, als die junge, intelligente und gebildete Elizabeth unter äußerst widrigen Umständen mit nur 25 Jahren zur Königin gekrönt wird. Hirst und Kapur interessieren sich dabei für die Metamorphose eines Menschen, der in eine übermenschliche Aufgabe hineinwächst: ist Elizabeth anfangs eine fröhliche, unbeschwerte junge Frau mit offenem Haar und leichten Gewändern, so verändert sie sich mit dem Eintritt in die politischen Geschäfte des englischen Hofes nicht nur charakterlich, sondern auch äußerlich. Allmählich werden die Frisuren strenger und aufwendiger, die Kleider voluminöser und komplizierter, das Make-up verändert das Gesicht zur Maske. Um als Regentin ernstgenommen zu werden, muß Elizabeth ihrer weiblichen Attribute entsagen, auf Liebesaffären oder eine Heirat verzichten (da die Rolle als Gemahlin ihre Macht unterminieren würde) und sich zur jungfräulichen Braut Englands erklären. Ihr Körper sei nun Staatseigentum, heißt es in einer Szene, und das entspricht dem Denken des Mittelalters und der frühen Neuzeit, demzufolge ein König bzw. eine Königin zwei Körper hatte, den natürlichen, verletzbaren und den politischen, unverletzbaren. Folgerichtig liefert der Film keine psychologischen Erklärungen zu Elizabeths Veränderung, vielmehr betrachtet die Kamera diesen Prozeß gleichsam als neutraler Beobachter, oft durch Gitterfenster hindurch oder von Balustraden herab. Kapur sorgt allerdings auch für leichte Momente, die den funkelnden Charme und das ansteckende Lachen von Cate Blanchett voll ausspielen. Besonders erwähnenswert ist eine düstere Montage, die Francis Coppolas „Godfather“ (1972) zitiert, als zu elegischer Musik die Teilnehmer einer Verschwörung getötet oder gefangengenommen werden, während Elizabeth inbrünstig betet.

Die schauspielerische Leistung von Cate Blanchett ist seinerzeit nicht angemessen gewürdigt worden, und doch war „Elizabeth“ für die damals noch unbekannte australische Darstellerin der Sprung in das ganz große Geschäft – mit inzwischen zwei Oscars und mehreren Golden Globes im Gepäck, war sie in diesem Jahr erneut als beste Hauptdarstellerin nominiert. Bei uns ist „Elizabeth“ in verschiedenen Formaten und im Streaming erhältlich, in den USA ist der Film sogar auf 4K-Ultra-HD-Disc in beeindruckender Bildqualität erschienen. Die knappe, etwas eigenwillig formulierte OFDb-Kritik von png wirft einen kritischen Blick auf das vielleicht etwas zu glorifizierende Portrait der berühmten englischen Königin.


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