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von PierrotLeFou

Vor 100 Jahren: Frühe Hauptwerke von Grigoriy Kozintsev und Leonid Trauberg

Stichwörter: 1920er Drama Gogol Jubiläum Klassiker Kozintsev Kurzfilm Literaturverfilmung Russland Satire Sowjetunion Spielfilm Stummfilm Trauberg Tynyanov


Chyortovo koleso (1926) & Shinel (1926)
Mit Filmen wie "Novyy Vavilon" (1929), "Odna" (1931) oder "Yunost Maksima" (1935) gehört das Gespann Grigoriy Kozintsev und Leonid Trauberg zu den renommierteren Filmschaffenden im frühen sowjetischen Film – wenngleich ihre Namen nicht den Klang haben, der Eisenstein, Pudovkin oder Vertov zukommt. Doch wer sich für das frühe sowjetische Kino interessiert, kommt um das Regieduo nicht herum: Bevor sie einander kennenlernten, war Kozintsev noch als Gründer eines Puppentheaters und als Theatermaler und Maler aktiv. Erst während der Gründung eines Zusammenschlusses von Theaterschaffenden, der FEKS, im Dezember 1921 lernte er Trauberg kennen, der von der Literatur und dem Theater angetan war. Ab 1924 versuchten sich beide, die gemeinsam die Gebiete von Literatur, Theater und Malerei abdeckten, gemeinsam an der jungen Kinematografie, die sich gerade in den zehn Jahren zuvor als ernstzunehmende Kunstform herauszubilden begonnen hatte.
Ihre ersten Arbeiten gelten jedoch mittlerweile als verschollen. Die frühesten erhaltenen Werke von Kozintsev und Trauberg sind der kurze, am 16. März 1926 uraufgeführte "Chyortovo koleso" und die Gogol-Verfilmung "Shinel", die am 10. Mai 1926 erstmals zu sehen war. Letztere geht auf ein Drehbuch des angesehenen Literaturwissenschaftlers und Autors Yuri Tynyanov zurück, der gerade erst eine Anstellung als Drehbuchautor erhalten hatte und für sein erstes Projekt die Bedingung aufstellte, dass sein Buch von Kulturschaffenden aus dem Umfeld der FEKS verfilmt werden solle. Ein Blick auf "Chyortovo koleso", dessen Handlung über einen Matrosen, den bei Landgang und im Varieté-Milieu ein Mädchen von seinem Pfad abzulenken droht, nicht ganz mustergültig entfaltet anmutet, mag dieses Ansinnen neben dem Status der FEKS selbst erklären: denn bestechende formale Qualitäten sind dem schwindelerregend gefilmten und montierten halblangen Streifen keinesfalls abzusprechen. Mit kontrastreichen Bildern, die an den expressionistischen deutschen Stummfilm gemahnen, pointierten Einstellungen, bizarren Szenerien und einer geradezu formvollendeten Montage kommt dann zudem diese so satirische wie phantastische Gogol-Verfilmung, die recht frei auch anderen Erzählungen des Autors einbindet, daher und lässt die Geschichte von Bedeutungsgewinn und -verlust spannend zwischen grotesken Zügen und großer Tragik pendeln.



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