21. Juli 2017

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von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Untypischer Miyazaki-Klassiker

Kurenai no buta (1992)

Hayao Miyazaki zählt nach wie vor zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Regisseuren Japans. Doch auch weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus erntete er mit seinen Werken wie "Das Schloss im Himmel" oder "Prinzessin Mononoke" immer wieder hervorragende Kritiken. Mit dem wahrlich märchenhaften "Chiriros Reise in Zauberland" konnte er gar eine der begehrten Oscar-Trophäen gewinnen. Einer seiner Markenzeichen sind die phantasievollen Figuren und prächtigen Landschaften, welche stets von Hand, ohne die Zuhilfenahme von Computereffekten, gezeichnet wurden. Die Protagonisten sind in den meisten Fällen recht junge Menschen, die sich einer unbekannten Bedrohung stellen. Es handelt sich vornehmlich um positiv angelegte Figuren, die allerdings noch ihre Bestimmung finden müssen. Ein anderes zentrales Thema seiner Filme ist die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Hayao Miyazaki gelingt es dabei ohne erhobenen Zeigefinger Kritik an der ausbeuterischen Natur des Menschen zu üben. Als weiteres erkennbares Motiv seines Schaffens ist die Faszination zur Luftfahrt zu benennen. Nicht umsonst wählte er für sein weltweit bekanntes Filmstudio den Namen Ghibli, der begrifflich für Wind steht und gleichzeitig eine Hommage an das italienische Transportflugzeug Caproni Ca.309 Ghibli darstellt.
"Pòrco Rósso" [Uraufführung: 18. Juli 1992] wirkt auf den ersten Blick dennoch nicht wie der typische Hayao Miyazaki Film, auch wenn er natürlich Miyazakis Faszination für Flugzeuge deutlich erkennen lässt, die er in seinem bisher letzten Werk, der Biografie "Wie der Wind sich hebt", sehr viel ausführlicher thematisiert.
Basierend auf dem mit Wasserfarben gezeichneten, 15-seitigen Manga Hikôtei Jidai, war "Pòrco Rósso" zunächst nur als Kurzfilm für Flugzeugreisen gedacht. Doch die Geschichte um den Piloten Marco Pagot mit markanter Schweinsnase und Schnauzer, wuchs dann schließlich doch noch zu einem Abendfüller zusammen. Auch wenn es sich in erster Linie um einen Fliegerfilm mit einem Hauch von Fantasy handelt, bleibt die Geschichte weitestgehend bodenständig. Im Mittelpunkt der Handlung steht das Fliegerass Marco, der wegen seiner ungewöhnlichen Erscheinung Pòrco Rósso genannt wird. Anders als in seinen bisherigen Filmen, entschied sich Miyazaki bei "Pòrco Rósso" gegen eine fiktive Welt, so spielt der Film in dem von Faschisten regierten Italien gegen Ende der 20er Jahre. Gerade durch diesen Realitätsbezug, konnte der Film auch nicht die übliche Magie entfalten, die seine bisherigen Werke so auszeichnete. Daher glaubte selbst Hayao Miyazaki anfangs an keinen allzu großen Erfolg. Schließlich wurde der Film, allen schlechten Erwartungen zum Trotz, dennoch zu einem Überraschungshit und bescherte dem renommierten Studio Ghibli einen weiteren Kassenschlager. Verglichen mit seinen anderen Werken bleibt Pòrco Rósso aber doch ein sehr eigenwilliger Beitrag des Meisters. Kein typischer Miyazaki eben, der durch besonderer erzählerischer Tiefe oder mit beeindruckenden Bildern glänzt, vielmehr ein sehr unterhaltsamer Film mit einigen charmanten Charakteren. Der OFDb-Review Schreiber Leimbacher-Mario trifft den Nagel auf den Kopf, als er seine sehr empfehlenswerte Kritik mit den Worten "Casablanca goes Fantasy-Anime" einleitet. (Review auf OFDb lesen)
In Deutschland wurde der Film zunächst über die allseits beliebte "Studio Ghibli Collection" als DVD veröffentlicht. Inzwischen gibt es natürlich auch eine Einzelveröffentlichung auf Blu-ray. Doch die wirklich ultimative Fassung für alle Fans des Meisters stellt nach wie vor die Hayao Miyazaki Collection dar, die all seine Meisterwerke enthält. (Fassungseintrag von Yackmouth)

Ein Beitrag von Mayoko

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