La ronde (1950)
Arthur Schnitzlers "Reigen" (1903) gehört zu den berühmtesten Theater-Skandalen und ist zugleich unter allen skandalisierten Stücken eines der schönsten: Das Davor und das Danach von Sexualakten zeigend, lässt Schnitzler seiner Figuren ihre Partner(innen) wechseln: Die Dirne wurde mit dem Soldaten innig, dieser mit Dienstmädchen, dieses mit dem jungen Herrn, dieser mit der Ehefrau… so geht es weiter, bis die Schauspielerin nach dem Akt mit dem Dichter mit einem Grafen intim wird, der letztlich zur Dirne geht, die am Anfang des Stückes stand. Das Konzept der Ehe wird hier von der Lust ebenso unterlaufen wie auch alle Standesunterschiede. Der Sexus erscheint als befreiende Kraft und ist doch zugleich tabuisiert und Gegenstand von allerlei Heuchelei, sodass gerade die Dirne auf der untersten gesellschaftlichen Stufe am ehrlichsten erscheint. Fast 32 Jahre bevor das lange nicht mehr zur Aufführung freigegebene Stück in der Neujahrsnacht 1982 wieder mit voller Wucht auf die Theaterbühnen zurückkehrte, brachte Marcel Ophüls eine Verfilmung zustande, in der unter anderem renommierte Größen wie Anton Walbrook, Simone Signoret, Serge Reggiani, Simone Simon, Danielle Darrieux, Jean-Louis Barrault, Isa Miranda oder Gérard Philipe brillierten: Der am 27. August 1950 uraufgeführte Film, der in typisch ophülsschen, atmosphärisch dichten s/w-Bildern diesen Reigen im Wien der Jahrhundertwende zum Leben erweckt, war über Jahrzehnte die bekannteste Umsetzung von Schnitzlers jahrzehntelang zurückgehaltenem Stück – und ist wohl auch nach "Eyes Wide Shut" (1999) noch immer die gepriesenste Schnitzler-Verfilmung überhaupt.
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Außer der Reihe zum heutigen Welttag des Theaters …