L'auberge rouge (1923)
In "L'auberge rouge" (1831) schilderte Balzac einen Raubmord in einer französischen Herberge: Schuldig erscheint ein Unschuldiger, der allerdings die begangene Tat selbst ins Auge gefasst, aber nicht ausgeführt hatte. Vor seiner Hinrichtung vertraut er seine Geschichte einem Zuhörer an, der später ein eigenes, mit den damaligen Geschehnissen eng verbundenes Erlebnis haben wird, das auch in seinem Fall moralische Fragen aufwirft. Gerade mit dem Einstieg der Erzählung, in welcher eine Zuhörerschaft nach einer unheimlichen deutschen Geschichte verlangt, rekurriert der Stoff leicht auf die Schauerromantik. Jean Epstein, berühmt geworden vor allem mit seiner Poe-Verfilmung "La chute de la maison Usher" (1928), hat schon mit "L'auberge rouge" einen im weitestens Sinne unheimlichen Stoff in Szene gesetzt, der zwar inhaltlich eher in die Genres des Kriminalfilms und Dramas hineinragt, aber doch als Geschichtenerzählung über Jahre zurückliegende Kriminalfälle, über Unwetter in Gewitternächten, fremde Herbergen, zwielichtige gestalten, böse Versuchungen und grausige Verbrechen handelt "L'auberge rouge" dann doch vom Erzählen haarsträubender Geschichten und ist womöglich gar noch intensiver als "La chute de la maison Usher". Ein konsequent durchgehaltener Stil, der mit den unterschiedlichen Erzählebenen geschickt hantiert, betört dabei ebenso wie auch der Gehalt der Erzählung Balzacs, der hier weitgehend übernommen werden konnte.
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