Nashville (1975)
Wenn man heute an Robert Altman denkt, dann hat man vermutlich sogleich seine breit angelegten, episodischen, galant verzahnten Ensemblefilme im Kopf, die gerade in den 90er Jahren mit "The Player" (1992), vor allem aber mit "Short Cuts" (1993) und "Prêt-à-Porter" (1994) sein Schaffen kennzeichneten. Mit seinem am 11. Juni 1975 uraufgeführten "Nashville" hatte Altman erstmals über zwei Duzend einigermaßen gleichberechtigte Figuren in einen mehr als 2½-stündigen Film zusammengeführt, wobei die Vorbereitungen eines riesigen Country- und Folk-Konzertes in der titelgebenden Metropole den Rahmen abgeben, um all die Einzelschicksale verwebgen zu können. Geraldine Chaplin führt das Publikum dabei als Journalistin Opal durch die Musik-Szene, wo sich die erfolgreichen und die gescheiterten treffen, wo die Stars und die Personen im Hintergrund gleichermaßen agieren. Ein wenig wie in dem deutlich längeren, etwas weniger figurenreicheren "Out 1" (1971) eines Jacques Rivette durften auch in Altmans Nashville die Darsteller(innen) – unter ihnen Ned Beatty, Karen Black, Keith Carradine, Julie Christie, Shelley Duvall, Jeff Goldblum, Elliott Gould, Barbara Harris, Michael Murphy und Lily Tomlin – improvisieren und vom ursprünglichen Drehbuch abweichen, um die einzelnen Handlungsteile am Laufen zu halten. Im Gegensatz zu einem intimen "Images" wirkt der episodenhaftere Ensemblefilm etwas veräußerlichter, erschafft dafür aber ein eindrucksvoll verschachteltes Gefüge, das zu seinen besten Filmen der 70er Jahre gehören dürfte.
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