Waking Life (2001)
Das Verhältnis von Wahrnehmung und Realität, das Konzept des Freien Willens und das Phänomen des Klartraums gehören zu den Themen, die Richard Linklaters am 23. Januar 2001 uraufgeführter "Waking Life" verhandelt: in Form eines zunächst gefilmten, dann digital überarbeiteten Film, der im Grunde wie eine verfremdete Form der klassischen Rotoskopie anmutet und eine sonderbare Schwebe zwischen Abbildung und Erzeugung aufweist, die Linklater auch später nochmals in der Philip-K.-Dick-Verfilmung "A Scanner Darkly" (2006) anstreben sollte. "Waking Life" spielt mit Elementen des Spielfilms ebenso wie mit Elementen des Experimentalfilms und des Essayfilms, arbeitet mit Elementen des Realfilms ebenso wie mit Elementen des Animationsfilms. Thematisch passend erscheinen dabei die wahrnehmungstheoretischen, erkenntnisphilosophischen Aspekte, inspirierend ist das Ganze insbesondere als verkappter Metafilm für ein Publikum mit filmwissenschaftlichem Interesse, derweil der experimentierfreudige Gestus konventioneller Unterhaltung und einem breiten Publikumserfolg eher störend im Wege steht. Ein Vierteljahrhundert später erscheint "Waking Life" – sicher nicht zufällig in einer Zeit entstanden, in der sich der CGI-Einsatz in Windeseile auf den Leinwänden ausbreitete, derweil zugleich die mindgame- bzw. mindfuck-movies boomten – mehr als einigermaßen interessantes Kuriosum, weniger als Markstein in der Filmgeschichte.
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