Gouttes d'eau sur pierres brûlantes (2000)
Mit "Peter von Kant" (2022) hatte François Ozon vor knapp drei Jahren die schwule Variante zu R. W. Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (1972) abgeliefert, die irgendwo zwischen Remake und biografisch angelegter Interpretation des Originals angesiedelt war. Es war aber nicht die erste Beschäftigung Ozons mit Fassbinder, der wie er mehrmals queere Themen in seinen Filmen behandelte: Nach "Sitcom" (1998) und "Les amants criminels" (1999) basierte schon Ozons dritter Langfilm, von denen er nunmehr relativ beständig einen pro Jahr abliefern sollte – der am 13. Februar 2000 uraufgeführte "Gouttes d'eau sur pierres brûlantes" – auf einem erst postum aufgeführten Theaterstück Fassbinders. Der deutsche Schauplatz und das Setting der 70er-Jahre sowie die Tanzsequenz zu Tony Holidays "Tanze Samba mit mir" tragen dieser Vorlage Rechnung. Kammerspielartig gibt sich das Drama, das sich mit milder Ironie und zwischen Manierismus und Groteske an die frühe Fassbinder-Ästhetik annähert und das von einer Viererkonstellation handelt: Ein Handlungsreisender und ein wesentlich jüngerer Mann gehen eine intime Beziehung, in die sich nach und nach Trott und Machtspielchen einschleichen; die Verlobte des jungen Mannes und ein zur Frau umgewandelter Ex-Freund des älteren Mannes weiten die Konstellation spannungsreich aus, bis es dann zum tragischen Ende kommt. Die schmale Laufzeit von gerade einmal 80 Minuten und der humorvoll aufgelockerte Ton mildern den tragischen Aspekt allerdings ab – und sorgen auch dafür, dass dieses Spiel mit Geschlechterrollen, sexuellen Orientierungen und Generationszugehörigkeiten es sich durchaus leisten kann, bei kleinen Denkanstößen inmitten dieser merklich konstruierten konkreten Handlung zu verweilen, anstatt eine große Metaebene aufzuspannen und nach Allgemeingültigkeit zu streben.
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