5. Oktober 2018

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von Stefan M

Vor 50 Jahren: George A. Romero erschafft neue Zombies

Night of the Living Dead (1968)

Als sich 1968 ein Mann namens George A. Romero aufmachte, an mehreren Wochenenden für wenig Geld mit Freunden einen Horrorfilm zu drehen, konnte man noch nicht ahnen, dass er damit das Genre bedeutend beeinflussen würde: Der Titel "Night of the Living Dead" besitzt nach wie vor einen Ruf wie Donnerhall, und wer den Film heute sieht, stellt fest, dass er nichts, aber auch gar nichts von seiner Aussagekraft und Wirkung eingebüßt hat.

Die Zombies sind hier erstmals keine willenlosen Sklaven wie in Jacques Tourneurs "Ich folgte einem Zombie" (1943), sondern erheben sich eigenständig aus ihren Gräbern, um sich auf die Suche nach Menschenfleisch zu begeben. Jeder, der gebissen wird, wird unheilbar infiziert und früher oder später selbst zu einem gewalttätigen Untoten. Die Stimmung der Schwarz-Weiß-Bilder, die Romero auf das Publikum loslässt, ist auch 50 Jahre nach dem Entstehen äußerst bedrückend, einzelne Szenen sind immer noch schwere Kost und nahezu unerträglich, wenn mit der Kamera – von Romero selbst bedient – voll drauf gehalten wird, wie die lebenden Toten, die keinen Unterschied mehr kennen, ob sie Fremde oder einen nahen Verwandten attackieren, Körperteile und Innereien ihrer Opfer verschlingen.

Gleichzeitig bricht sich Romeros pessimistische Weltsicht Bahn, die sich in einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik äußert: Die Zombies mögen zwar eine große Bedrohung für Leib und Leben der Bevölkerung darstellen, doch die viel größere Gefahr entsteht im Inneren der hier dargestellten siebenköpfigen Menschengruppe, die in ihrer Not in einem Farmhaus zusammentrifft und sich der stetig wachsenden Übermacht zu erwehren versucht. Dabei erweist sich der einzige Schwarze als der tatkräftige Held der Geschichte. Dahingegen stellt sich ausgerechnet der Älteste als feige und rückgratlos heraus, der alles dafür unternimmt, Zwietracht zwischen den Parteien zu säen und die Versuche, von außen Hilfe zu holen, zu torpedieren. Umso perfider, wenn sich am Ende herausstellt, dass es tatsächlich am besten gewesen wäre, sich schlicht zu verbarrikadieren und irgendwie auf Hilfe von außen zu hoffen, wie es der größte Feigling der Truppe von Anfang an gefordert hat, denn die Menschheit ist letzten Endes eben doch in der Überzahl und organisiert sich in Bürgerwehren, die mit sichtlichem Vergnügen ein regelrechtes Scheibenschießen auf die Zombies veranstalten und diese achtlos auf Scheiterhaufen verbrennen.

Romero ließ seinem Erstling noch fünf weitere Filme rund um die Untoten folgen. Zumindest die beiden Nachfolger "Dawn of the Dead" (1978) und "Day of the Dead" (1985) haben sich ebenfalls als Klassiker in die Filmgeschichtsbücher eingetragen, die noch heute zahllose Fans besitzen. Während Romero die erste Fortsetzung komödiantischer anlegte und sich hier über die Konsumgesellschaft lustig machte, geht "Day of the Dead" wieder den Weg des ersten Teils. Es folgten "Land of the Dead" (2005), "Diary of the Dead" (2007) und "Survival of the Dead" (2009).

Der auf DVD und BluRay vielfach günstig zu erwerbende Streifen, der am 1. Oktober 1968 erstmals auf der großen Leinwand zu sehen war, erhielt in diesem Jahr eine BluRay-Veröffentlichung bei Criterion: Fassungseintrag von ETE-89

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