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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Rivettes erster – und schönster – phantastischer Film

Stichwörter: 1970er Berto Drama Frankreich James Jubiläum Klassiker Komödie Kriminalfilm Labourier Literaturverfilmung Ogier Phantastik Rivette SChroeder Spielfilm

Céline et Julie vont en bateau (1974)

15 Jahre liegt der letzte Film des 2016 verschiedenen Filmemachers Jacques Rivette nun schon zurück; und seitdem fehlt etwas in der Filmlandschaft: dieses durchaus entschleunigte, aber niemals streng-sperrige, immer auch humorvolle, dramatische und ironisch mit Genre-Versatzstücken spielende, oftmals improvisierte Kino Rivettes, dessen Dramaturgien mäandern, Umwege machen, sich verzweigen und wieder zusammentreffen, den Nuancen und Details, den Momenten und Situationen großen Raum lassen, die Geschichte aber niemals völlig aus den Augen lassen. Filme, die selten unter zwei Stunden andauerten, mitunter die 3- oder 4-Stunden-Grenze knackten und einmal gar einen halben Tag ausfüllten wie der knapp 13-stündige "Out 1" (1971).
Der im Mai 1974 uraufgeführte "Céline et Julie vont en bateau" nimmt eine besondere Position in Rivettes Schaffen ein, insofern als hier erstmals phantastische Elemente in seine Filmografie eindringen: Auf der Basis literarischer Vorlagen von Henry James lässt Rivette seine Titelheldinnen – die merklich von den Frauen aus Vera Chytilovás "Sedmikrásky" (1966) inspiriert sind und wie diese auch auf die Marx Brothers verweisen – in einem sich schon zu Beginn in seinen Texttafeln märchenhaft gebenden Film erst auf kuriose Weise Freunschaft schließen, um sodann den gewohnten Alltag ein wenig aus den Angeln zu heben: Gesellschaftliche Verpflichtungen werden mit Leichtigkeit aufgehoben, indem die eine kurzerhand die Identität der anderen übernimmt. Aber zauberhafte Bonbons eröffnen den Figuren ein seltsam entrücktes Milieu, stellen Verbindungen in eine Welt der Phantome her oder regen schlicht die Fabulierlust an; jedenfalls entfaltet sich vor ihren Augen in der zweiten Hälfte des bald 200 Minuten füllenden Streifens zunehmend eine kriminelle Intrige – in die auch Bulle Ogier und der Filmemacher Barbet Schroeder als schauspieler involviert sind –, deren schicksalhaften Verlauf sie schließlich ins Gute abwandeln. Juliet Berto und Dominique Labourier tragen in ihrer unbändigen Spiellust den Film mit Leichtigkeit den Film, dessen phantastische Ausrichtung später auch in "Duelle" (1976) und "Histoire de Marie et Julien" (2003) wieder aufflackerten.
Seit bald sieben Jahren liegt der Klassiker beim BFI als Blu-ray vor, deren Bonusmaterial in weiten Teilen der alten DVD-Version entspricht: Fassungseintrag von Hank Quinlan 1958


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