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von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Historiendrama von Patrice Leconte

Stichwörter: 2000er Auteuil Binoche Drama Frankreich Historienfilm Jubiläum Klassiker Kusturica Leconte Liebesfilm Spielfilm


La veuve de Saint-Pierre (2000)
Mit "Ridicule" (1996) hatte Patrice Leconte seinen bis dahin renommiertesten Film vorgelegt, dessen Bekanntheitsgrad vorherige Highlights wie "Le mari de la coiffeuse" (1990) und "Le parfum d'Yvonne" (1994) deutlich überragte. Mit der Komödien "Une chance sur deux" (1998) konnte der großen Erwartungen von Publikum und Kritik kaum befriedigen, hatte dann aber im Anschluss eine hochwertige, wenngleich kurze Phase vorzuweisen: Neben der romantischen, bereits recht melancholisch gefärbten Komödie "La fille sur le pont" (1999) umfasste diese Phase auch die Dramen "La veuve de Saint-Pierre" und "L'homme du train" (2002), die Leconte wieder von einer etwas ernsteren Seite zeigten. Und der am 19. April 2000 uraufgeführte "La veuve de Saint-Pierre" ist zudem – wie die eher wieder etwas enttäuschende Romanze "Rue des plaisirs" – ein Historien- und Ausstattungsfilm, womit Leconte an der Oberfläche eine Nähe zu "Ridicule" herstellte. Doch statt einer so scharfen wie humanistischen Satire serviert er dem Publikum ein tragisches Melodram, in dem sich die großen Gefühle mit moralischen Fragen vermengen: der Filmemcher Emir Kusturica spielt in "La veuve de Saint-Pierre" den verurteilten Mörder Auguste, der auf der Insel Saint-Pierre auf das Eintreffen der Guillotine wartet, mit der das Urteil vollstreckt werden soll. Der Hauptmann Jean und vor allem dessen Gattin Pauline (Daniel Auteuil und Juliette Binoche) widmen sich dem Gefangenen, der bald auch Freigänge erhalten darf und sich zu einem hilfreichen, sozialen Menschen entwickelt. Aber Recht ist Recht – und letztlich wird nicht bloß Auguste seine Hinrichtung über sich ergehen lassen, sondern auch für den Hauptmann wird die ganze Angelegenheit tödlich enden. Vor allem auch dank Binoches Spiel und Lecontes Stamm-Komponisten Pascal Estève gerät "La veuve de Saint-Pierre" zur ergreifenden Angelegenheit, dergleich die Geschichte von Recht und Strafe wie eine etwas massentauglichere Variante von Miguel Littins Meisterwerk "El chacal de Nahueltoro" (1969) wirkt: ein Klassiker, den zumindest Lecontes Koautor, der "Themroc"-Regisseur Claude Faraldo, gekannt haben dürfte.



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