Kadosh (1999)
Amos Gitai zählt zu den renommiertesten Filmemachern Israels. Seiner Heimat entzog er sich in den 80er Jahren für längere Zeit, nachdem gleich mehrere seiner Filme wie "Bayit" (1980) als pro-palästinensisch verstanden und heftig kritisiert worden waren. Doch in den 90er Jahren kehrte er zurück und trat im 21. Jahrhundert dann auch zunehmend ins Bewusstsein der internationalen Szene von Cineast(inn)en: Sein vergleichsweise populärer "Kippur" (2000) über den Jom-Kippur-Krieg, an dem Gitai 1973 23jährig teilnahm, seine Zusammenarbeit mit Natalie Portman in "Free Zone" und die Omnibus-Filme "11'09''01 - September 11" (2002) und "Chacun son cinéma" (2007) trugen sicherlich zu seiner größeren Sichtbarkeit erheblich bei. Und gerade angesichts der aktuellen Situation in Gaza dürfte der Regisseur, dessen "Shikun" (2024) im Februar seine Premiere feiern konnte, wieder ein Stückchen mehr Beachtung verdienen – und auch erhalten: Sein Theaterstück über den Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, der sich seinerzeit für Friedensprozesse stark machte und 1995 von einem rechtsextremen israelischen Jurastudenten erschossen wurde, war diesen Mai erstmals in Deutschland zu sehen.
Der am 11. Mai 1999 uraufgeführte "Kadosh" steht ungefähr am Anfang dieser Bewegung hin zu einer sehr viel breitereren internationalen Aufmerksamkeit (die er in kleinerem Ausmaß schon weit länger genoss). Auf der IMDb hat "Kaddosh" weit mehr Wertungen erhalten als alle seiner vorherigen Filme zusammengenommen: immerhin knapp drei Dutzend. Als einer der früheren großen Klassiker in Gitais Filmografie zählt "Kadosh" wohl auch wegen des noch heute aktuellen Themas, das mit Deborah Feldmans "Unorthodox" (2012) samt Verfilmung größere Aufmerksamkeit erhielt. "Gelobt seist du, der mich nicht als Frau erschaffen", heißt es eingangs in "Kadosh" am Ende eines Gebets. Denn die Frau zählt wenig in der ultraorthodoxen Gemeinde, in der ein lange kinderloses Paar sich unter dem Druck der Umgebung trennt, weil Rivka, die Frau, ihrem Mann keinen Nachwuchs bescherte; dass die Frauenärztin das Problem gar nicht bei ihr sieht: egal ... Auch der Schwester dieser Frau droht ein stark vom Rabbi vorgezeichnetes Leben; doch sie entzieht sich, als Rivka zugrundegegangen sein wird.
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