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von PierrotLeFou

Vor 75 Jahren: Faust-Film von René Clair

Stichwörter: 1950er Clair Drama Frankreich Italien Jubiläum Klassiker Literaturverfilmung Phantastik Philipe Satire Simon Spielfilm Tragikomödie


La beauté du diable (1950)
Am 16. März 1950 kam ein phantastisches Drama von René Clair heraus, in dem der avantgardistische Touch seines Frühwerkes gänzlich abwesend war und der leichtfüßige, verspielt-spritzige Humor seiner vorangegangenen phantastischen (Liebes-)Komödien weitgehend fehlte (und nur selten durchscheint, etwa im Zusammenhang der Maschine zur Geldherstellung, die sicherlich später das Gefallen eines Tim Burton gefunden haben dürfte): Zwar ist "La beauté du diable" insgesamt durchaus von Humor durchzogen, aber der Grundton ist etwas schwermütiger, melancholischer, beklemmender. Immerhin handelt es sich bei dem Film um eine Verfilmung des Faust-Stoffes, den Clair gemeinsam mit Armand Salacrou für den Produzenten Salvo D'Angelo anfertigte. Eine Version mit Happy End allerdings, das Clair selbst nicht behagte und für das ihm zufolge Salacrou verantwortlich war. Kritiker erspähten in dem Film schon seinerzeit dennoch einen Einfluss von Jean-Paul Sartre und generell wurde "La beauté du diable" als philosophischer, intellektueller Film mit Tiefgang wahrgenommen. Im Nachgang kommt man kaum umhin, auch die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges in Frankreich bei der Sichtung dieser Teufelspakt-Geschichte zu berücksichtigen, in der bisweilen Waffen, Wissenschaft und Teufel in unheilvoller Allianz daherkommen. Das alles sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Clairs Faust-Film auch durchgängig hochgradig unterhaltsam und zumeist bildschön daherkommt. Michel Simon spielt zunächst den wissbegierigen, alten Faust, der sich unter allerlei Entsagungen der Bildung und dem Wissen verpflichtet fühlte. Gérard Philipe spielte den verführerischen Mephistopheles, der Faust verspricht, ihm die letzten Geheimnisse zu enthüllen, von denen ihm ja trotz seines Wissens noch im hohen Alter gegen Ende eines letztlich doch sinnlos erscheinenden Lebens so viele geblieben sind. Und so lockt Mephistopheles auch mit der Jugend, sodass bald Michel Simon in die Rolle von Mephistopheles schlüpft, derweil Gérard Philipe in die Rolle des jungen Faust schlüpft… Verlockungen über Verlockungen ergießen sich über Faust, bis er schließlich bereit ist, einzuknicken, den teuflischen Pakt zu unterzeichnen.
Günstig greifbar ist der Film in der bereits bald acht Jahre alten Arthaus-Neuauflage: Eintrag von gül



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