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von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Wong Kar-Wais Beliebtester

Stichwörter: 2000er Cheung Doyle Drama Frankreich Hongkong Jubiläum Kar-wai Klassiker Leung Liebesfilm Trilogie Umebayashi


Dut yeung nin wa (2000)
Gibt man etwas auf die Meinung der 2016 im Rahmen einer BBC-Umfrage nach den besten Filmen des 21. Jahrhunderts Befragten, so ist der am 20. Mai 2000 uraufgeführte "Dut yeung nin wa" eines der ganz großen Meisterwerke seit der Jahrtausendwende. Gut, die Umfrage ist bald zehn Jahre alt und das 21. Jahrhundert noch immer recht jung; dass aber Wong Kar-Wais melancholisches Liebesdrama, das in der Umfrage den zweiten Platz hinter David Lynchs "Mulholland Dr." (2001) belegte, große Qualitäten aufweist und merklich einen Nerv getroffen hat, steht außer Frage: der Qipao-Mode verlieh der Film auch im Westen eine neue Aufmerksamkeit, steigerte das Interesse am Mahjongg, Shigeru Umebayashis Soundtrack und insbesondere "Yumeji's Theme" gehört heute schon zu den eingängigsten und bekanntesten Liebesfilm-Soundtracks, die dramaturgische Raffinesse (eher minimalistischer Art) ist frappierend, die bestechende Farbdramaturgie und Christopher Doyles exzellente Kameraarbeit an der Grenze zum Manierismus haben längst auch etliche andere große Filmschaffende inspiriert und eine – wohl auch durch die Handlungszeit bedingte – Nähe zu Alfred Hitchcocks "Vertigo" (1958), einem der besten Filme des 20. Jahrhunderts, klingt leise an, als habe Wong Kar-Wai selbstbewusst die Größe seines Films nachdrücklich ausstellen wollen. Die im Hongkong der fühen 60er Jahre angesiedelte Handlung des mit "Ah fei jing juen" (1990, Days of Being Wild) und "2046" (2004) zur losen Trilogie stilisierten Films lässt die vom Regisseur vielfach verwendeten Stars Tony Leung Chiu-Wai und Maggie Cheung aufeinander stoßen: als Redakteur, dessen Gattin auffällig häufig im Schichtdienst abwesend bleibt, und Sekretärin, deren Gatte meist auf Geschäftsreise ist, lernen sie einander als Nachbar und Nachbarin kennen, schätzen, begehren… es bleibt aber alles in der Schwebe, das Gefühl wird nirgends in eine entscheidende Tat überführt; die Stimmung indes dehnt sich über fast 100 Minuten aus, in denen die Sehnsucht implizit die Möglichkeiten des Virtuellen beschwört. Aber es bleibt eben bei dieser Beschwörung; kein Beschworenes wird sich ausbreiten. Und am Ende wird dann auch diese Sehnsucht, diese Beschwörung wieder ein Ende finden. Ein Ende, an dem das Kinopublikum mehr weiß als die Filmfiguren.
Mehr zum Inhalt und den Vorzügen verrät das Review von Df3nZ187



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