Wolfblood (1925) & Medvezhya svadba (1925)
Honoré Beaugrands anekdotische Erzählung "The Werwolves" (1898) beeinflusste in Stummfilmzeiten gleich drei Filmproduktionen, die zu den frühesten Beispielen des Werwolf-Subgenres zählen: Henry MacRaes kurzer "The Werewolf" (1913), Pierre Bressols und Jacques Roullets "Le loup-garou" (1924) und George Chesebros und Bruce Mitchells "Wolfblood" (1925). Der am 16. Juli 1925 uraufgeführte Film ist das einzig erhaltene dieser Werke und ist mit der Konzentration auf die psychischen Aspekte sowie mit der Bluttransfusionsprämisse im Grunde eher eine Variation der Transplantations-Phantasien der Nachkriegszeit, wie sie sich am prominentesten in Robert Wienes Maurice-Renard-Verfiilmung "Orlacs Hände" (1924) niederschlug: Ein Holzfäller erhält, schwer verwundet, eine Transfusion wölfischen Blutes, hat in der Folgezeit wirre Träume und muss registrieren, dass sich in seinem Umfeld krude Gewaltakte ereignen. Sowohl die Regie als auch die Geschichte sind eher nur solide; "Wolfblood" zehrt im Grunde nur von seinem Status, dem Status des ersten Werwolf-Streifens. Ende 1925 erschien aber noch ein weiterer Tiermenschen-Stoff auf der großen Leinwand, der sowohl inhaltlich als auch formal wesentlich mehr zu bieten hat: "Medvezhya svadba" ist die Verfilmung von Anatoli Lunacharskys Bühnenfassung von Prosper Mérimées Novelle "Lokis" (1869). Vladimir Gardin, Star bzw. Regisseur prestigeträchtiger Literaturverfilmungen wie "Anna Karenina" (1914) und "Voyna i mir" (1915), inszenierte den Stoff gemeinsam mit Konstantin Eggert, dem Mars-Herrscher aus "Aelita" (1924), der hiermit sein Regiedebüt gegeben hat. Mit großem Gespür für visuell faszinierende Bildkompositionen und den Qualitäten von Mérimées kleinem Stückchen Weltliteratur hat "Medvezhya svadba" einiges zu bieten…
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