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von PierrotLeFou

Vor 50 & vor 25 Jahren: Catherine Breillat provoziert

Stichwörter: 1970er 2000er Breillat Drama Frankreich Italien Jubiläum Klassiker Pornografie Sex Skandalfilm Spielfilm


Une vraie jeune fille (1976) & À ma soeur! (2001)
Zwischen "Romance" (1999) und "Anatomie de l'enfer" (2004), die beide mit einer Ästhetik des Pornografischen arbeiten, liegt Catherine Breillats am 10. Februar 2001 uraufgeführter "À ma soeur!", der – obgleich etwas zurückhaltender in der Darstellung – ebenfalls zu Breillats Skandalfilmen gezählt werden kann, steht doch die Coming-of-Age-Geschichte eines etwas propperen Mädchens und seiner etwas älteren Schwester im Mittelpunkt: Die gemeinsamen Ferien mit den Eltern und den Bemühungen ums Erste Mal enden abrupt haben für dich pummelige Anaïs nicht viel zu bieten. Wie ein Befreiungsschlag ereignet sich dann am Ende der Gewaltakt eines Wahnsinnigen, der Schwester und Mutter auslöscht und Anaïs vergewaltigt. Dass die Thesenhaftigkeit der anderen genannten Filme hier weniger ausgeprägt ist, verstärkt die Wirkung des Films noch, was auch für Breillats Debütfilm gilt: "Une vraie jeune fille" handelt ebenfalls von einer Heranwachsenden, den Ferien im Sommer und dem sexuellen Begehren, wobei hier eine Erkundung des Körpers offensiv gegen die Bilder von Weiblichkeit arbeitet, pult sich die Protagonistin doch ihren Schmalz aus den Ohren, bewegt sie sich doch zwischen Urin und Erbrochenem, dringt zwischen ihre Schmamlippen doch kein stattlicher Phallus, sondern ein abjekter Matsch aus Regenwürmern. Ausgerechnet Mitte der 70er-Jahre, im Zeitalter der Skandalfilme schlechthin, war Breillat, die in einem dieser Skandalfilme, "Ultimo tango a Parigi" (1972), als Darstellerin zu sehen war und schon mit 17 Jahren und ihrem Romandebüt "L' homme facile" (1968) Pornografie-Vorwürfe erntete, damit zu weit gegangen: Ausgewertet wurde ihr Erstling erst nach dem Erfolg von "Romance" so richtig. Was vielleicht weniger mit den skandalträchtigen Bildern des Films zusammenhängt, als vielmehr am feministischen Grundton, der im Zeitalter einer gerade frisch entstandenen Frauenbewegung mehrheitlich nicht genehm war.



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