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von PierrotLeFou

Vor 75 Jahren: Algernon Blackwood als Bewegtbild

Stichwörter: 1940er Blackwood Gilkison Großbritannien Horror Jubiläum Kurzfilm


The Reformation of St Jules (1949) & Lock Your Door (1949)
Liebhaber(innen) phantastischer Literatur verehren ihn seit Jahrzehnten als einen der Großmeister unheimlicher Erzählkunst: Algernon Blackwood (1869-1951) zeichnet sich vor allem aus durch naturmystische, okkulte und esoterische Elemente, zwischen denen seine Erzählungen vielfach ihre unheimliche Atmosphäre entfalten. Seine Erzählungen "The Wendigo" (1910) und vor allem "The Willows" (1907) gelten als Höhepunkte der britischen Phantastik im 20. Jahrhundert. Spukhäuser, mysteriöse Orte mit diffus beklemmender Aura und schwarze Magie sind in seinen Geschichten anzutreffen, derweil Blackwood in längeren Romanen wie "The Centaur" (1911) seinen eigenwilligen Mystizismus in beinahe traktathafte, manifestartige Formen überführt. Darüber hinaus brachte Blackwood den okkulten Detektiv John Silence zu Papier und ebenfalls die Figur des Jim Shorthouse, der in mehreren Geschichten Seonderbares erlebt. Irgendwo zwischen Arthur Machen, H. P. Lovecraft und M. R. James anzusiedeln, gelangte Blackwood hierzulande vor allem in den 60er Jahren zu großer Bekanntheit, als Insel gerade die wundervolle Bibliothek des Hauses Usher herausbrachte, in der alle vier Autoren allesamt mit einigen anderen unterkamen. In Suhrkamps Taschenbuchreihe blieb Blackwood die kommenden Jahrzehnte hindurch präsent, um in jüngster Zeit vor allem im Festa Verlag, in Zwielicht-Sonderbänden und (in Hörbuchform) bei GM Factory aufzublühen. Im englischsprachigen Raum war Blackwood dagegen schon früh eine Bekanntheit und Fans des wohligen Schauderns und des mysteriös Mystischen. Knapp zwei Jahre vor seinem Tod trat der damals 80-jährige Schriftsteller sogar als Geschichtenerzähler vor die Kamera: Schon in "Saturday-Night Story" (1948) war er zu sehen gewesen, mit dem Format "A Strange Experience" (1949) bekam er jedoch unter der Regie Anthony Gilkisons einen sechsteiligen Rahmen verpasst, der ganz auf ihn zugeschnitten war. Vier der Folgen scheinen indes nicht mehr erhalten zu sein. Das BFI veröffentlichte dafür jedoch die Teile "The Reformation of St Jules" und "Lock Your Door", in denen Blackwood einmal von sonderbaren Himmelserscheinungen im Rahmen einer phantastischen Sci-Fi-Prämisse spricht, die ein tragisches Ereignis mit sich bringen, welches eine Pointe letztlich nochmals ins Komische wendet, und einmal von spukhaften Begebenheiten in einem abgelegenem Landhaus. Beide Geschichten zeugen leider kaum von Blackwoods Fähigkeiten und auch seine Präsenz als Erzähler bleibt hinter dem zurück, was etwa Christopher Lee als M. R. James in "Ghost Stories for Christmas" (2000) ablieferte. Die wenig ambitionierte, zumindest kaum spektakuläre oder nuancierte Inszenierung beschränkt sich darauf, den gelegentlich amüsierten, mitunter gedankenschweren Erzähler, der die meister Zeit am Publikum vorbei, ins Leere hineinspricht, aus unterschiedlichen Perspektiven an anderen Stellen des Zimmers einzufangen. So blicken Blackwood-Fans etwas ernüchtert auf diese raren Hinterlassenschaften seiner späten Auftritte vor den Filmkameras. Und doch: Es bleiben immerhin Möglichkeiten, den Schriftsteller einmal beim Erzählen zu erleben.
Beide Filme liegen auf der Blu-ray-Edition Short Sharp Shocks vom BFI vor.



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