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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Patricio Guzmáns erste Arbeit zu Pinochets Putsch erscheint

Stichwörter: 1970er Allende Batalla-de-Chile-Trilogie Chile Dokumentarfilm Frankreich Guzmán Jubiläum Klassiker Kuba Marker Pinochet Trilogie


Batalla de Chile: La lucha de un pueblo sin armas - Primera parte: La insurrección de la burguesía (1975)
Patricio Guzmán hatte schon mit "El primer año" (1971) auf die Vorgeschichte des Landes vor der Wahl Salvador Allendes zum Präsidenten und auf das titelgebende erste Jahre von dessen Präsidentschaft geblickt. 18 Monate nach Allendes Wahl widmete sich Guzmán dann neuerlich Allendes bisherigen Verdiensten und einem von Christdemokraten vorangetriebenen Transportunternehmer-Streik im Oktober 1972, der neben weiteren manipulierten Streiks, Streikbekämpfungen und Besetzungen Anzeichen einer aufgehitzten Lage war. Guzmán drehte weiter, filmte die Stimmung während der Parlamentswahlen im März 1973 in Chile und auch die Ereignisse in den daran anschließenden Monaten, über den gescheiterten ersten Putschversuch, den Tanquetazo, bis hin zum Putsch vom 11. September. Anders als manche seiner Mitarbeiter konnte sich Guzmán nach dem Putsch, nach etwa zweiwöchiger Inhaftierung im Stadion von Santiago de Chile, nach Frankreich absetzen. In Frankreich hatte Chris Marker zuvor schon als Kommentator für "El primer año" gedient und die französische Fassung des Films erstellt. Marker stand Guzmán nun als Produzent zur Seite, der dem chilenischen Kollegen dabei half, aus dem Filmmaterial der letzten Monate eine monumentale 4½-stündigen Dokumentarfilmtrilogie zu erstellen, die den sich anbahnenden einschneidendsten Umbruch in der chilenischen Geschichte penibel abbildet. Der erste, am 18. März 1975 uraufgeführte Teil, "Batalla de Chile: La lucha de un pueblo sin armas - Primera parte: La insurrección de la burguesía", widmet sich der Vorgeschichte von den Parlamentswahlen bis zum Tanquetazo, der zweite Teil der Entwicklung bis hin zum erfolgreichen Putsch, wohingegen der dritte Teil eher kaleidoskopisch eine Rückschau leisten und dabei vor allem die politischen Manöver im Jahr 1972 unter die Lupe nehmen sollte. Schnell avancierte die (noch bis zum August 2026 in der arte-Mediathek verfügbare) Trilogie zu den gewichtigsten Dokumentarfilmbeiträgen Lateinamerikas, die aber in Chile selbst freilich lange Zeit nicht genehm war. Das Mammutprojekt sollte sich in Guzmáns Filmografie aber bloß als Teil eines größeren Ganzen entpuppen: die jüngere chilenische Geschichte thematisierte der Filmemacher immer wieder, in "Chile, la memoria obstinada" (1997), "Le cas Pinochet" (2001), "Salvador Allende" (2004), in seiner Essayfilmtrilogie ab "Nostalgia de la Luz" (2010) und selbst noch kurz als Randnotiz in seinem bislang letzten Film, dem hervorragenden "Mi país imaginario" (2022).
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