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von ratz

Vor 50 Jahren: Zwei Gallier erobern erneut das Kino

Stichwörter: 1970er Animationsfilm Asterix Frankreich Goscinny Jubiläum Kinder-/Familienfilm Klassiker Komödie Obelix Spielfilm Tchernia Uderzo Zeichentrick


Les 12 travaux d'Astérix (1976)

Das Phänomen „Asterix“ mag in den letzten Jahren etwas abgeklungen sein, gehört aber für die französische und deutsche Generation X (geboren zwischen 1965 und 1980) in Form von Comicheften und Kinofilmen zu den wichtigsten popkulturellen Fixsternen. Das läßt sich schon an den 7,2 Millionen Zuschauern ablesen, die ab dem 12. März 1976 in die westdeutschen Kinos strömten und den Animationsfilm „Asterix erobert Rom“ zum mit Abstand erfolgreichsten Film des Jahres machten.

Kein Wunder, denn seit 1961 erfreute sich das Franchise des Texters René Goscinny und des Zeichners Albert Uderzo enormer Beliebtheit: Jedes Jahr erschien mindestens ein neues Abenteuer mit den renitenten und doch liebenswürdigen Galliern Asterix und Obelix, die Absatzzahlen auch und vor allem in Deutschland waren gewaltig, 1967 und 1968 liefen die ersten beiden Kinofilm-Adaptionen überaus erfolgreich in ganz Europa. Also wurde von den Machern 1974 eigens „Les studios Idéfix“ ins Leben gerufen, um den nächsten animierten Kinofilm zu stemmen – ein Wagnis, da das letzte französische Animationsfilmstudio „Les Gémeaux“ 1952 hatte schließen müssen, nachdem Paul Grimaults Filmprojekt „La Bergère et le ramoneur“ gescheitert war. Tatsächlich ist der Qualitätssprung von „Asterix erobert Rom“ zum unmittelbaren Vorgänger „Astérix et Cléopâtre“ (1968, Anniversary-Text) deutlich sichtbar: die Figuren wirken weniger flächig und simplifiziert, wie es in den 60er Jahren üblich gewesen war, sondern lassen viel von der leichten, federnden Linienführung Uderzos erkennen (sind dabei natürlich den detailliert gezeichneten Comicbänden immer noch weit unterlegen). Die Animationen sind flüssiger, und vor farbenprächtigen Hintergründen kommen aufwendige Licht-Schatten-Effekte zum Einsatz. Auch beruhte der Plot nicht mehr auf einem zuvor erschienenen Heft (zu diesem Zeitpunkt gab es bereits 23), vielmehr erdachten Goscinny, Uderzo und der befreundete Pierre Tchernia ein episodisch strukturiertes Abenteuer, das an die antiken mythischen zwölf Aufgaben des Herkules angelehnt ist. Beibehalten wird eine hohe Gag-Dichte, die nicht nur Kinder unterhält, sondern auch teils anachronistische Anspielungen für erwachsene Zuschauer bereithält, bei denen allerdings der Sprachwitz der gedruckten Ausgaben etwas ins Hintertreffen gerät. Trotzdem hat etwa der berüchtigte „Passierschein A38“ inzwischen einen festen Platz im deutschen Sprachgebrauch.

Eine Besonderheit auf dem deutschen Asterix-Markt – dem größten nach Frankreich – sind die Mundart-Alben, die seit 1995 erscheinen und die Gallier in ausgewählten Heften in einem von bislang 32 deutschen Dialekten sprechen lassen. Erfreulicherweise hat sich diese einzigartige Kultur ab der DVD-Ära auch ins Heimkino fortgesetzt: Für sieben der acht Asterix-Zeichentrickfilme gibt es zusätzlich zur Kinosynchronisation je eine weitere Tonspur in deutscher Mundart, übersetzt und eingesprochen von lokaler Prominenz. „Asterix erobert Rom“ läßt sich auf Bairisch goutieren und trifft damit offenbar den Publikumsgeschmack – der mittlerweile achte bairische bzw. münchnerische Mundart-Band ist 2024 erschienen.







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