Something Good - Negro Kiss (1898) & Something Good - Negro Kiss (1898)
"The Kiss" (1896) von William Heise gilt als erster Leinwandkuss – der seinerzeit durchaus für Furore sorgte und späterhin einige Male nachgeahmt worden ist. Unter diesen späteren Leinwandküssen nimmt William Nicholas Seligs in zwei Versionen existierender "Something Good - Negro Kiss" eine besondere Stellung ein, denn diese(r) 1898 erstmals veröffentlichte(n) Film(e) zeigen den ersten Leinwandkuss zweier afro-amerikanischer Personen: Gertie Brown und Saint Suttle stehen hier vor der Kamera, während sie einander küssen. Das könnte heute eine Art Kultfilm sein, als früher Ausdruck von Black Empowerment – aber schon beim Titel zeigen sich Probleme. Zwar ist der Kuss positiv konnotiert, die Bezeichnung als "Negro Kiss" allerdings dürfte heute eher aufstoßen. In der einfacheren Version des Stoffes kann man die ausgelassene Heiterkeit des Mannes noch mit Wohlwollen betrachten; gerade mit der richtigen Musikuntermalung kann man pure Glückseligkeit darin erhaschen, eine enthusiastische Freue, die sich nicht verstecken möchte. Die komplexere Version des Stoffes ist da schon problematischer: Hier wirbt Saint Suttle etwas clownesker um die begehrte Frau, die sich erst ziert, um sich später hinzugeben. In einer Commedia dell'arte würdes dieses Spiel kaum aufstoßen, aber als eine der früheren Filmabbildungen farbiger Figuren durch einen weißen Filmschaffenden nimmt "Something Good - Negro Kiss" eine unschöne Entwicklung in der Filmgeschichte vorweg, in der sich eine rassistische Sicht auf Farbige niederschlägt, die vielfach als Witzfiguren und etwas simpel gestrickt dargestellt werden.
"Woman Is The Nigger Of The World", klagte Yoko Ono einst und lieferte mit John Lennon einen gleichnamigen Song ab. Auch dieser Titel dürfte heutzutage – obgleich er sich ja auch als frühes Beispiel für Forderungen nach Intersektionalität sehen lässt – wohl auch auf Ablehnung stoßen, beschreibt aber zu Beginn der zweiten großen feministischen Welle so drastisch wie treffend die weltweite Rolle der Frauen. Auch diesbezüglich kann die komplexere Version von "Something Good - Negro Kiss" heute einigermaßen schwer im Magen liegen: Denn die Frau, die sich bloß ziert, während der Mann erst wirbt und dann niederkniet, sich schließlich aber freudig hingibt, als der Mann einfach forsch nimmt, was er möchte, ist ein populäres Bild, das noch heute vielen Menschen ganz natürlich erscheint, aber doch auch zunehmend mehr Kritik erntet.
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