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von PierrotLeFou

Vor 100 Jahren: Vom Malersohn zum Filmemacher – Jean Renoir

Stichwörter: 1920er Drama Frankreich Jubiläum Klassiker Liebesfilm Renoir Spielfilm Stummfilm


La fille de l'eau (1925)
Bald zehn Jahre nach seinem Bruder Pierre kam im September 1894 Jean Renoir zur Welt, als Sohn des erfolgreichen Malers Pierre-Auguste Renoir, der zu den bekanntesten Malern des Impressionismus gehört. Finanzielles Vermögen und künstlerisches Interesse prägten eine Kindheit, auf die ab 1914 die Erfahrung des Ersten Weltkrieges folgte, in welchem er als Aufklärungspilot tätig war. Vielleicht war es eine Mischung aus beidem, dass Renoir später als Aushängeschild des Poetischen Realismus gelten sollte, als Filmemacher, der große ästhetische Visionen mit einem sozialen Anliegen verband. Die Entwicklung vom Sohn des großen Malers zum großen Filmregisseur wurde sicherlich auch vom älteren Bruder beeinflusst, der schon ab Beginn der 10er-Jahre auch vor der Kamera agierte (eine wahre Filmkarriere aber auch erst erlebte, als Jean Renoir seine eigene beginnen sollte). Nach einer ersten Regiearbeit im Jahr 1924, die erst 1927 in einer Nachbearbeitung von Albert Dieudonné an die breitere Öffentlichkeit gelangte, brachte Renoir dann am 20. März 1925 "La fille de l'eau" in die Lichtspielhäuser: Die Geschichte einer jungen Frau, die mit Vater und Onkel auf einem Kahn lebt, diesen aber nach dem Tod des Vaters verlassen muss, bis sich schließlich ihr privates Liebesglück abzeichnet, wurde von frühen Kritiker(inne)n und Filmhistoriker(inne)n häufig mehr mit der impressionistischen Malerei des Vaters verglichen, weniger mit den späteren Werken Jean Renoirs, die ab der Zola-Verfilmung "Nana" (1926) einem Realismus zugeordnet wurden. Man kann aber auch mit Gilles Deleuze darauf verweisen, dass sich hier erstmals Renoirs Vorliebe für fließendes Wasser, für das Motiv des Fluiden niederschlägt, das die französische Schule insgesamt merklich prägte. Insofern wäre "La fille de l'eau" kein Film vor einem ästhetischen Bruch in Renoirs Filmografie, sondern eher ein Hinweis darauf, dass der Impressionismus nicht gegen den Poetischen Realismus in Position zu setzen wäre, sondern eher im Poetischen des Realismus nachwirkt und nachhallt.
In Frankreich liegt Renoirs erstveröffentliche Regiearbeit bei Studio Canal auf DVD vor: Fassungseintrag von leplaisirdeyeux



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