3. Juli 2020

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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Skolimowski dreht in London

Deep End (1970)

"Rysopis" (1964) und "Walkower" (1965) wiesen Jerzy Skolimowski als einen der vielversprechendsten jungen Regisseure des polnischen Films aus, ehe sein "Bariera" (1966) dann jedoch bei der heimischen Zensur aneckte. Der frühere Drehbuchautor von Wajda und Polanski verfolgte seine Regiekarriere dann im Ausland weiter: "Le depart" (1967) ensteht in Belgien, "The Adventures of Gerard" (1970) in Italien, der Schweiz und Großbritannien, der im September 1970 uraufgeführte "Deep End" in Großbritannien und Deutschland, wobei London hauptsächlich Dreh- und Handlungsort war. Dorthin hatte es in den Swinging Sixties bereits etliche ausländische Autorenfilmer gelockt und auch Skolimowski hat den Geist der Swinging Sixties vollständig eingeatmet und wie zuvor Antonioni, Polanski oder Truffaut einen letztlich doch sehr britisch wirkenden Film abgeliefert. Zu den Klängen von Can und Cat Stevens entwirft Skolimowski eine tragisch endende Beziehung zwischen dem jungen Teenager Mike und der bereits die 20 überschritten habenden Susan, die er als attraktive Kollegin einer Badeanstalt kennenlernt. Die Zuneigung des unerfahrenen Jungen zur jungen Frau, die in eine komplizierte Affäre mit einem verheirateten älteren Lehrer verstrickt ist, nimmt geradezu obzessive Züge an, mit denen Susan in ihrer insgesamt schwierigen Situation ebensowenig umzugehen versteht wie Mike selbst, der sich schlussendlich zu einer fatalen Tat hinreißen lässt. Heute wird dieser temporeiche coming-of-age-Film, der seinerzeit ein eher mageres Einspielergebnis – aber sehr wohlwollende Kritiken – erzielte, als kultverdächtiger Klassiker gewertschätzt; insbesondere seit der Restaurierung und den Wiederaufführungen zu Beginn der 10er Jahre.
In seinem Review geht buxtebrawler ausführlich auf Skolimowskis Klassiker ein.

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