1. Januar 2019

Beitrag

von PierrotLeFou

Vor 25 Jahren: Kevin Smiths Erster

Clerks. (1994)

Intime Filme auf engem Raum gab es natürlich schon zuvor: die Kammerspiele, Klassiker wie "Rope" (1948) oder "12 Angry Man" (1957)... Aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kristallisiert sich eine doch recht spezielle Ausformung heraus, die sich gerade ab den 80er Jahren recht deutlich zeigte: die 80er hatten etwa Malles "My Dinner with Andre" (1981), Scolas "Le bal" (1983), Hughs "The Breakfast Club" (1985), Frears' "My Beautiful Laundrette" (1985) und Jarmuschs Kurzfilm "Coffee and Cigarettes" (1986), der bis 2003 zwei Sequels und eine Episoden-Langfilm-Version nach sich zog. Hier sind es nicht mehr die Familiendramen in den eigenen vier Wänden, nicht mehr die Old-Dark-House-Gruselstreifen, nicht mehr die Gerichtsdramen im Gerichtssaal, nicht mehr die Detektiv- & Kriminalfilme in Hotels oder Zügen. Sondern es traten vermehrt kleine, unscheinbare Institutionen und öffentliche Plätze als Orte der Einkehr, der Zusammenkunft und des Austauschs in den Vordergrund, welche auch nicht mehr konsequent und durchgängig den einzigen Schauplatz abgeben müssen, sondern einen regelmäßig wieder aufgesuchten Ort: Und es waren keinesfalls Luxusjuweliere wie in "Breakfast at Tiffany's" (1961), sondern es waren sehr bodenständige, unscheinbare, alltägliche, profane Milieus, in denen man sich nun bewegte. Bei Malle und Scola war das noch nicht so recht zu sehen, aber der Waschsalon, um den bei Frears alles kreist, und das Café bei Jim Jarmusch – das waren frische, unverbrauchte Plätze, die ideal für den Independent-Film waren. In den 90er Jahren setzt sich das dann fort – inspiriert auch vom Episodenfilm, den Robert Altman und Quentin Tarantino wieder zum Meisterstück avancieren ließen: Kevin Smith legt "Clerks." vor, Wayne Wang seinen "Smoke" (1995) und Nicolas Winding Refn "Bleeder" (1999). Man könnte noch Smiths "Mall Rats" (1995) und Paul Mazurskys Woody Allen-/Bette Midler-Komödie "Scenes from a Mall" (1991) hinzunehmen, welche weniger intim die Shopping Mall zum Milieu wählen, zumal gerade bei Mazursky der Ort kaum ein Ort der Zusammenkunft ist.
Das im Januar 1994 auf dem Sundance Film Festival präsentierte Low-Budget-Debüt "Clerks." liegt quasi ganz im Trend seiner Zeit – und findet doch eine eigene Handschrift. Der typisch smithsche Humor und die immer wieder aufgegriffenen Figuren Jay und Silent Bob bildeten feste Markenzeichen für rund 12 Jahre. Und so ist nicht bloß der Handlungsort in "Clerks." ein Mikrokosmos, sondern auch der Film selbst bildet mit seinen losen Fortführungen einen solchen. Diesem Mikrokosmos nähert sich Vince in seinem ausführlichen Review...

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