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von PierrotLeFou

Vor 75 Jahren: Großer Wurf von Robert Bresson

Stichwörter: 1950er Bernanos Borel Bresson Drama Frankreich Jubiläum Klassiker Laydu Literaturverfilmung Spielfilm


Journal d'un curé de campagne (1951)
Mit "First Reformed" (2017) hatte "Taxi Driver"-Autor Paul Schrader Robert Bressons am 7. Februar 1951 uraufgeführtem "Journal d'un curé de campagne" seinen Resepekt gezollt. Es war nicht das erste Mal, dass sich Schrader Bewunderung für Bresson niederschlug, der eine der gewichtigen Stützen für Schraders filmtheoretischen Überlegungen zu einem transcendental style bildete. Und zu Bressons Hauptwerken wird immer wieder seine Georges Bernanos-Verfilmung "Journal d'un curé de campagne" gezählt, deren transzendiere Erfahrungen schon im Titel anklingen. Wobei das Tagebuch des Landpfarrers erst einmal Ausdruck seiner Hilflosigkeit, seiner Fremdheit, seiner Zweifel ist: ihm vertraut sich der Gottesmann an, der in der Gemeinde auf dem Lande nicht so recht Fuß zu fassen versteht. Aus dem Versagen der Kommunikation erwächst dem Geistlichen, der das Wort Gottes überbringen will, sein Tagebuch; und zum Versagen der Kommunikation, zum Leiden an der Unfähigkeit, wie gewünscht zu funktionieren, gesellt sich ein körperliches Leiden, das zum frühen Tod führen wird. Und dennoch wird er es sein, der einer verbitterten Gräfin in ihren letzten Minuten eine Aussöhnung mit der Welt zuteil werden lässt. Eine Aussöhnung, die auch das Dahinscheiden des Geistlichen begleiten wird, der unter widrigen Umständen in einer teils nahezu feindseligen Gesellschaft sein Leben lässt. Für den Hauptdarsteller, den jungen Theatermimen Claude Laydu, war "Journal d'un curé de campagne" der beginn einer kleinen Filmkarriere, die sich vor allem in den 50er Jahren ereignete. Den Vertrauten des Pfarrers, dem älteren Pfarrer aus Torcy, spielte hingegen ein Laie (wie Bresson sie häufiger einsetzte): der Psychoanalytiker Adrien Borel agierte hier unter Pseudonym; für die französische Kultur ist er vor allem als Vertrauter von George Bataille von Einfluss gewesen, den er unter anderem mit den – für Bataille und seine Theorien der Transzendenz so wichtigen – Fotografien der Lingchi-Folter vertraut machte.
Mit Audiokommentar und kurzem Essay kam damals die Criterion-Veröffentlichung des Films daher: Fassungseintrag von J.



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