Thundercrack! (1975)
Ein Titel wie Donnerhall. Und ein Film, der einschlägt wie ein Blitz. Curt McDowells am 29. Dezember 1975 uraufgeführter "Thundercrack!" ist ein Film, dessen Sichtung man nicht so schnell vergisst. Der Film brennt sich ein, ob man ihn nun großartig oder desaströs findet. Zu bizarr ist die Mixtur aus Horror- und Melodram-Aspekten, die humorvoll unter porno chic-Einfluss zum queeren Midnight Movie verrührt werden. Da ist Gert Hammond (Marion Eaton), die im Herrenhaus als Witwe ihr Dasein fristet und ein dunkles Familiengeheimnis hütet, das unter die Gürtellinie geht… ebenfalls unter die Gürtellinie gehen auch die Gurken, die sich Gert Hammond einverleibt. In dunkler Gewitternacht dringen dann einige unfreiwillige Gäste in ihr Heim, wo sich fortan sexuelle Handlungen zwischen Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau frei (wenn auch nicht unbedingt zur Gänze freiwillig) entfalten, ehe dann noch eine entlaufene Gorilladame hinzukommt… Wie "The Rocky Horror Picture Show" (1975) nutzt McDowells vergleichsweise unbekannter Kult-Klassiker Motive des klassischen Horrorfilms, um eine Entfaltung queerer Sexualität in die Wege zu leiten, wobei die Botschaft(en) etwas weniger vehement vermittelt wird bzw. werden, während zugleich der Rückgriff aufs Pornografische umso ungenierter erfolgt. Der Humor setzt teils auf Ekel- und Unterleibsmotive, ohne jedoch ohnehin bereits verfemte Elemente zu desavouieren. Mit Lust und Genuss wälzt sich der Film in allerlei Unschicklichkeiten und Grenzüberschreitungen, zeigt weder bei der Homosexualität noch bei der (nicht praktizierten) Sodomie Berührungsängste; was einst grenzüberschreitend war und progressive Anklänge in sich barg, ist mit heutigen "woken" Positionen allerdings kaum zu vereinbaren. Entsprechend sitzt der Film, der eine Brücke von den Kuchar-Brüdern (von denen George Kuchar auch im Film mitspielt) zu John Waters schlägt (der den Film zu seinen Lieblingsfilmen zählt), ein wenig zwischen den Stühlen, sperrt sich, gönnt sich Widerhaken…
Eine knapp 40 Minuten längere Director's Cut-Version liegt seit zehn Jahren bei Synapse auf DVD bzw. Blu-ray vor: Fassungseintrag von Black Smurf
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