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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Hans W. Geissendörfer bearbeitet den Heimatfilm

Stichwörter: 1970er Anzengruber Deutschland Drama Geissendörfer Heimatfilm Jubiläum Klassiker Literaturverfilmung Neuer-Deutscher-Film Spielfilm


Sternsteinhof (1976)
Im Rahmen des Neuen Deutschen Films war der Heimatfilm in den 70er Jahren bereits mehrfach aufgegriffen und so kritisch wie progressiv adaptiert worden. Hatten Genre-Routiniere wie Vohrer oder Reinl bereits nach 1968 die Stoffe des umstrittenen Ludig Ganghofer etwas sensationalistischer, kommerzialisierter und spannungsvoller in Szene gesetzt – wobei der Gipfel dieser Heimatfilm-Aneignung sicherlich der Hexenjäger-Reißer "Hexen bis aufs Blut gequält" (1968) war –, so waren es vor allem die renommierten Vertreter des Autorenfilms, die eine echte Neuausrichtung vornahmen: Fleischmanns "Jagdszenen aus Niederbayern" (1969), Hauffs "Mathias Kneissl" (1970), Vogelers "Jaider, der einsame Jäger" (1971), Brandners "Ich liebe dich, ich töte dich" (1971) und Schlöndorffs "Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach" (1971) zählen zu den prominenten Beispielen. Geissendörfer, der eher zufällig zum Film gekommen war und schon im Debüt-Langfilm "Jonathan" (1970), seinem "Dracula"-Streifen mit revolutionärer Attitüde, mit Positionen der 68er-Bewegung liebäugelte, legte mit dem am 19. März 1976 einen späten neuen Heimatfilm vor, der einen eher pessimistischen Blickwinkel einnimmt. Dem zugrundeliegenden, schon mehrfach verfilmten Stoff von Ludwig Anzengruber verpasste Geissendörfer neue Elemente, um die Geschichte der ärmlichen Leni zu erzählen, die schon früh das soziale Unrecht wahrnimmt, das zwischen Großbauern und Tagelöhnern besteht. Allerdings wird sie nicht darum kämpfen, etwas an den Gegebenheiten zu verändern, sondern sich die bestehenden Gegebenheiten zunutze machen, um als recht gewissenlose Karrieristin ihren Traum wahr werden zu lassen und Herrin des Sternsteinhofs zu werden. Geradezu zynisch mutet die Geschichte in dieser Variante an, derweil Geissendörfer die Landschaftsaufnahmen mit Schnee, Regen, Dunkelheit und Kälte durchzieht.
Bei Filmjuwelen / AL!VE liegt der Film seit fast zwei Jahren auf Blu-ray vor: Fassungseintrag von Muhagl



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