Madeleine (1950)
"This Happy Breed" (1944), "Blithe Spirit" (1945), "Brief Encounter" (1945), "Great Expectations" (1946), "Oliver Twist" (1948) und "The Passionate Friends" (1949) hatte David Lean in seiner Zusammenarbeit mit J. Arthur Ranks Rank Organisation hervorgebracht. Schon "The Passionate Friends" konnte nicht mehr die großen Lobeshymnen erzielen, die sich Lean nach und nach erarbeitet hatte. Das galt auch für den am 16. Februar 1950 uraufgeführten "Madeleine", den Lean nicht zuletzt auf Wunsch seiner Partnerin Ann Todd gedreht haben soll, die diese Rolle schon auf der Theaterbühne dargeboten hat. Es sollte Leans letzte Arbeit für Rank Organisation sein; im Anschluss wandte sich der Filmemacher stattdessen Alexander Korda zu. Für ihn selbst war "Madeleine" ein unliebsamer Film, der von ihm am wenigsten geschätzte Streifen seiner Karriere; Ann Todd zeigte sich hingegen sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und "Madeleine" kann sich durchaus sehen lassen: Die wahre Geschichte, die auf Akten des Prozesses einer mutmaßlichen Mörderin basierte, schildert die Geschichte einer Frau, die von einem früheren Geliebten erpresst wird, als sich ihre Ehe mit einem anderen Mann anbahnt. Melodramatisch sowie mit viel Feingefühl zeichnet Lean diese Tragödie einer Frau zwischen den Zwängen und Konventionen ihrer Zeit nach, interessiert sich hingegen kaum für die Schuldfrage. Darin mag man Vor- oder Nachteil des Films sehen: Es verschafft ihm zumindest einen eigenen Anstrich, derweil die Inszenierung wie so oft hochsolide daherkommt.
In der David Lean Collection von ITV liegt der Film kostengünstig auf DVD vor: Fassungseintrag von McKenzie
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