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von PierrotLeFou

Vor 100 Jahren: Meisterwerke der französischen Avantgarde II

Stichwörter: 1920er Allégret Avantgarde Chomette Duchamp Experimentalfilm Frankreich Jubiläum Klassiker Kurzfilm Ray Stummfilm


Emak-Bakia (1926) & Cinq Minutes De Cinéma Pur (1926) & Anémic cinéma (1926)
Der Avantgardefilm erlebte – nicht nur, aber doch vor allem – im Frankreich der 20er Jahre eine bedeutende Hochphase. Die Flut der kanonisierten Avantgarde-Klassiker jenseits des Spiel- wie auch des Langfilms beginnt etwa 1934/1924 und ebbte ab 1912 bis zum Ende der Dekade wieder langsam ab. Zum Peak dieser Phase zählt unter anderem Man Rays am 16. Januar uraufgeführter "Emak-Bakia", der Rays eigenen "Le retour à la raison" (1923) einbindet und insgesamt dokumentarische Aufnahmen, Spielszenen und abstrakte Aufnahmen in einer furiosen Montage verbindet. Ray, der später surrealistisch gefärbte Avantgarde-Filme drehe sollte, rekurriert hier nochmals auf den Dadaismus und besitzt abermals, wie schon bei "Le retour à la raison" eine Frische, die eher an den Experimentaflfilm der 60er Jahre denken lässt. Stärker dem abstrakten Film verhaftet ist dagegen Henri Chomettes "Cinq Minutes De Cinéma Pur": Das schon von Paul Valéry geforderte cinéma pur ähnelt im Grunde dem absoluten Film im deutschsprachigen Raum, greift aber vor allem auf Realfilm-Aufnahmen zurück. Chomette, der sich schon ab dem folgenden Jahr auf Spielfilme verlagerterte, damit aber weniger erfolgreich blieb als sein Bruder René Clair, montiert hier rhythmisch funkelnde Lichtreflexe und wirbelnde, glitzernde Kristalle mit Negativaufnahmen von Bäumen und Wasserflächen zu fünf Minuten reinen Kinos. Wie Chomette greift auch Marcel Duchamp in Zusammenarbeit mit Man Ray und Marc Allégret im Titel auf das cinéma selbst zurück: Der im August 1926 uraufgeführte "Anémic cinéma", im Titel zudem mit dem Anagramm spielend, zeigt zehn von Duchasmp so betitelte Rotoreliefs: Kreismuster, die in Drehung gebracht, eine hypnotische Sogwirkung entfalten und als Spirale eine Illusion von Tiefe erzeugen. Wortspiele als kreiselnde Zwischentitel begleiten diese Effekte.



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