Salon Kitty (1976)
Drei Jahre vor seinem "Caligula" (1979) legte der vor allem für seine erotischen Stoffe bekannte Filmemacher Tinto Brass einen anderen Skandalfilm hin, der mit seiner Verquickung aus Sex-Szenen, Nazi-Chic und mancherlei Geschmacklosigkeiten und Grausamkeiten insbesondere hierzulande polarisierte: Am 2. März 1976 uraufgeführt, steht "Salon Kitty" zwischen den Autorenfilmen, die den Nationalsozialismus Mitte der 70er Jahre auf sexualpathologische Züge abklopften – Luchino Viscontis "La caduta degli dei" (1969), Liliana Cavanis "Il portiere di notte" (1974), Lina Wertmüllers "Pasqualino Settebellezze" (1975), Pier Palo Pasolinis "Salò o le 120 giornate di Sodoma" (1975) –, und den exploitativen Nachzüglern, die auf das Skandalon der Melange aus Sex, Gewalt und Nazismus setzten. Sich auf wahre Begebenheiten berufen, schildert "Salon Kitty" den Betrieb eines zu Spionagezwecken genutzten Edel-Bordells, in dem sich allerlei Nazi-Größen tummeln. Mit Helmut Berger und Ingrid Thulin tritt eine Bezugnahme auf Viscontis "La caduta degli dei" zutage, während die Stars an sich (wie auch die Kulissen von Ken Adam) dem Produkt ein Gütesiegel aufdrücken, derweil bizarre Szenen, die unter anderem die Ausbildung der linientreuen Prostituierten begleiten, und insbesondere der exploitative Einsatz von Salvatore Baccaro – der mit seiner Physiognomie auch in "La bestia in calore" (1977) und "Casa privata per le SS" (1977) ähnliche Auftritte haben sollte – auf irritierenden Humor und spekulative Highlights setzen. Herausgekommen ist ein durchaus faszinierender, aber auch irritierender Streifen, der seit fast 12 Jahren in der Kino Kontrovers-Reihe auf Blu-ray vorliegt: Fassungseintrag von magiccop
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